München – Moritz Seider wird einmal mehr verdienen als jeder andere Spieler der Adler Mannheim. Der Verteidiger kann damit rechnen, im NHL-Draft 2019 in der ersten Runde aufzutauchen, er könnte einen Karriereweg gehen wie Leon Draisaitl, der deutsche Eishockey-Weltstar. Momentan muss Seider, der in nahezu jedem Spiel von NHL-Scouts beobachtet wird, sich mit altersgerechten Rollen abfinden – außerhalb des Eises: Er ist 18, der Jüngste im Kader – und somit der, die die Paletten mit Wasserflaschen zum Mannschaftsbus trägt.
Auf dem Eis war Seider eine strahlende Erscheinung. Läuferisch überragend, umsichtig in der Abwehrarbeit, den Kopf immer oben haltend. Mit Drang nach vorne. Zwei der vier Treffer bereitete er vor. Seit drei Wochen ist er 18 und muss beim Spielen keinen Gitterschutz vor dem Gesicht mehr tragen, seine Klasse wirkt ohne dieses Merkmal noch nachhaltiger, er ist erwachsen. Die ihn regelmäßig sehen, erkennen eine enorme Entwicklung seit der Junioren-WM im Dezember, wo er das deutsche Team zum Aufstieg in die höchste Division führte. „Es war schön, mal wieder unter Gleichaltrigen und Kind zu sein“, sagt er und lacht.
Er wird höchstens noch ein Jahr in der DEL bleiben (die Eltern bestehen darauf, dass er Abitur macht) und spätestens 2020 nach Amerika aufbrechen. Jedenfalls hat sich seine beginnende große Karriere mit einer ausklingenden gekreuzt: der des Münchners Michael Wolf, 38. Der DEL-Rekordtorjäger hatte im Februar seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt.
Vielleicht hat er am Mittwoch sein letztes Heimspiel erlebt. „Ich will meine Karriere nicht auswärts beenden“, sagte er danach, um zu signalisieren, dass er mit einem Sieg in Mannheim ein weiteres Spiel am Sonntag in München erzwingen möchte. Allerdings sollte das nicht das berühmte letzte Match sein, denn Meister werden kann der EHC nur über eine siebte Partie. „Ich korrigiere“, sagt Wolf, „ich will meine Karriere auswärts beenden. Aber nicht am Freitag, sondern nächsten Dienstag.“ GÜNTER KLEIN