München – Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift! Diese alte Fußballer-Weisheit gilt in Zeiten des Video-Schiedsrichters längst nicht mehr – und dann wiederum doch. Wie auch immer: Nach dem Pokal-Halbfinale zwischen Bremen und Bayern wird die Sinnhaftigkeit des Videobeweises in Fußball-Deutschland wieder rauf und runter diskutiert.
Die Szene, die die große Elfer-Debatte ausgelöst hat: Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie berührte Kingsley Coman im Strafraum leicht mit dem Ellbogen. Der Franzose fiel daraufhin und holte so den Strafstoß heraus. Trotz kurzer Rücksprache mit dem Video-Keller in Köln verzichtet Schiedsrichter Daniel Siebert auf den Videobeweis – und so verwandelte Robert Lewandowski zum 3:2-Sieg.
„Das ist lächerlich. Also wenn das ein Elfmeter ist. Ganz leichter Kontakt. Oh Gott ey!“, ereiferte sich Werder-Kapitän Max Kruse. Sein Trainer Florian Kohfeld empfand die Entscheidung als „brutal“ und meinte: „Neun von zehn Schiedsrichtern hätten da nicht gepfiffen.“ So sah es auch Sportchef Frank Baumann: „Da gibt es keine große Diskussion. Das war im Leben kein Elfmeter!“
Die gleiche Meinung vertrat übrigens auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß – nur andersherum: „Der Elfmeter war hundertprozentig in Ordnung. Keine Diskussion! Ich habe mit Kingsley gesprochen, er hat mir gesagt, dass er vorbei war und dann der Ellbogen da war.“ Thomas Müller ging bei der Bewertung der Szene mehr ins Detail. „Aus dem Spiel heraus war es ganz klar ein Schieben mit dem Arm, obwohl der Gegner schon weg ist. Ich würde sagen, dass war nicht sehr clever, ohne Chance auf den Ball nochmal so nachzudrücken. Kingsley war vorbei. Deswegen war es für mich schon ein Elfmeter“, schilderte Müller die Dinge aus seiner Sichtweise.
Zurückhaltend gab sich Bayern-Trainer Niko Kovac bei der Bewertung der Szene: „Wenn er nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen.“ Kovac fügte allerdings hinzu: „Der King (Coman) fällt nicht von allein. Der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da.“
Jochen Drees räumte gestern als Chef der DFB-Videoschiedsrichter einen Kommunikationsfehler beim Elfmeter in Bremen ein. Schiedsrichter Siebert und Videoassistent Robert Kampka hätten sich „im Prinzip diese Situation nochmal anschauen müssen. Und da haben beide einfach nicht auf die Art und Weise miteinander kommuniziert und geredet, wie wir das erwarten würden“, sagte der ehemalige Bundesliga-Referee.
Konkret sei es zu keiner Überprüfung durch Siebert am Spielfeldrand gekommen, „weil der Videoassistent eine Bewertung einer Szene vor dieser Szene vorgenommen hat und der Meinung war, dass die Entscheidung, Strafstoß zu geben, nicht klar und offensichtlich falsch gewesen ist“, so Drees. Er kam zu dem Schluss: „Aus schiedsrichterfachlicher Sicht halten wir die Strafstoßentscheidung für nicht korrekt.“ bok