Ausflug in eine andere Welt

von Redaktion

Der FC Bayern und die Kunst, Außenseiter Nürnberg etwas größer zu reden

VON JONAS AUSTERMANN

München – 170 Kilometer liegt das nächte Reiseziel des FC Bayern entfernt – es geht mal wieder mit dem Bus zum Auswärtsspiel. Rund zwei Stunden dauert die Fahrt von München zum 1. FC Nürnberg. Man bleibt im Freistaat – und begibt sich doch in eine andere Welt. Rekordmeister gegen Abstiegskandidat heißt das Duell. Auf dem Papier trennen die beiden Clubs 16 Tabellenplätze, tatsächlich ist die Kluft aber viel größer: 200 Millionen Euro Transferetat gegen 4 Millionen, 770 Millionen Euro Kaderwert gegen 52,6, 28 Meisterschaften gegen 9 (die letzte vor 51 Jahren). „Ich bin kein Mensch, der jemanden unterschätzt. Ich bringe jeder Mannschaft den nötigen Respekt entgegen“, sagt Bayern-Trainer Niko Kovac.

Erschwerend hinzu käme, dass es sich um ein Derby handelt, die Nürnberger Mannschaft nach dem Trainerwechsel einen Aufwärtstrend zeigt und „sehr massiv steht“, wie der Bayern-Coach weiß. Außerdem gehe es bei den Clubberern um „die Existenz“, sagte Kovac und erinnerte an „die Schwierigkeiten“, die Dortmund beim 0:0 in Nürnberg gehabt habe.

Die Rollen sind dennoch klar verteilt, das weiß auch Kovac. „Klar erwarten alle von uns einen Sieg, das erwarten wir auch“, sagt er. „Aber die Bundesliga verzeiht keine Fehler – egal gegen wen man spielt.“ Den Außenseiter versucht Kovac für der Partie am Sonntag etwas größer zu machen, als der ist – auch mit Blick auf die Patzer in dieser Saison gegen Freiburg (zweimal 1:1), Augsburg (1:1) und Düsseldorf (3:3).

Bei einem Zähler Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund könnte jeder Punktverlust entscheidend im Titelkampf sein. „Ich gehe erst mal davon aus, dass wir vier Siege brauchen. Sollten es weniger sein, ist mir das auch recht“, sagt Kovac. Was der Verfolger aus Westfalen einen Tag zuvor im Revierderby gegen Schalke 04 macht, interessiert den Bayern-Trainer erst einmal nicht. Seine Begründung ist simpel: „Wir spielen nicht mehr gegen Schalke oder Dortmund.“ Ob der Titel-Konkurrent Punkte liegen gelassen hat, werde er später seinem Mobiltelefon entnehmen.

Zurück zu Groß gegen Klein. Zuletzt verloren die Münchner vor zwölf Jahren in Nürnberg (0:3 im Februar 2007). Ein Sieg der Franken, weiß Club-Kapitän Hanno Behrens, wäre „ein Wunder“. Kovac nervt mächtig, dass seine inhaltlich gleichen Aussagen je nach Arbeitgeber unterschiedlich bewertet werden. Beim deutschen Krösus anders als noch in den beiden Jahren zuvor bei der vergleichsweise kleineren Eintracht aus Frankfurt. „Ich finde, das ist nicht nachvollziehbar“, sagt der 47-Jährige, dem die Deutung seiner Worte missfällt. „Ich habe inzwischen das Gefühl, dass ich mich nur noch darum kümmern muss, wie ich etwas sage, was ich sage und ob ich überhaupt etwas sage. Schade, aber das ist die Welt.“

Derzeit ist die Welt von Niko Kovac trotz aller Deutungsunterschiede ziemlich rosig. Am Sonntag winkt der dritte Sieg in der englischen Woche und personell gibt’s keine große Klagen, abgesehen von den schon bekannten Ausfällen Manuel Neuer und Arjen Robben. Franck Ribéry geht’s wieder besser nach seinen Muskelproblemen. Corentin Tolisso tritt nach dem ausgeheilten Kreuzbandriss immer mal wieder kürzer. Aber, so Kovac: „ Das ist normal. Es ist alles okay mit seinem Knie.“

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