Deutschland schaut zu

von Redaktion

Im Vorprogramm des Revierderbys erhält 1860 große Aufmerksamkeit – und will entsprechend auftreten

München – Es ist das Spiel, auf das ganz Deutschland schaut: Bayerns Meisterschaftsrivale Dortmund rangelt mit seinem Erzrivalen Schalke um Punkte für den Titel bzw. gegen den Abstieg – da ist maximaler medialer Rummel garantiert, nachdem die ARD das brisante Derby im Free-TV überträgt. Kurioserweise wird auch der TSV 1860 im Kielwasser dieses Quoten-Schlachtschiffs öffentlich-rechtliche Aufmerksamkeit abbekommen. Die Heimpartie der Löwen gegen den KSC fungiert sozusagen als Vorspiel (Anpfiff: 13.15 Uhr), und da könnte es sein, dass Menschen vor dem Fernseher landen, die das erste Mal ein Drittligaspiel erleben. Daniel Bierofka freut sich darauf. „Es ist eine tolle Geschichte für uns, dass wir bundesweit übertragen werden. Dementsprechend wollen wir ein gutes Spiel liefern“, sagt er.

Zum Leidwesen des frischgebackenen Fußballlehrers („Die Abschlussnote ist gerade mit der Post unterwegs“) ist die Form seiner Löwen allerdings nicht so, dass man sie gerne einem Millionenpublikum präsentieren möchte. Hinter dem Aufsteiger liegen drei Niederlagen, in denen nicht mal ein eigenes Tor gelungen ist. Bierofka können die jüngsten Auftritte nicht gefallen haben, doch er macht dafür auch mildernde Umstände geltend. „In Halle (beim 0:3) haben wir mit fünf U 23-Spielern gespielt. Man hat gemerkt, dass uns eine gewisse Erfahrung und Abgeklärtheit gefehlt hat, aber das ist ja ganz normal. Auf die Jungs war ich gar nicht sauer – eher auf die eine oder andere Entscheidung, die da noch gefallen ist.“ Wobei er zugibt: „Im Großen und Ganzen hatten wir es wahrscheinlich verdient zu verlieren.“

Dem ist schwer zu widersprechen, doch schon gegen Karlsruhe werde ein anderes Team auflaufen, kündigt der Löwen-Trainer an: „Herbert Paul und Sascha Mölders kommen zurück. Auch Jan Mauersberger ist wieder eine Woche weiter . . .“ Nicht zu vergessen: Efkan Bekiroglu. „Der war so lange gesperrt“, sagte Bierofka und lachte: „Den hatte ich schon gar nicht mehr auf meiner Liste.“

Dabei erhofft sich Bierofka speziell vom jungen Deutschtürken jene Inspiration, auf die Mitspieler und Zuschauer zuletzt verzichten mussten. „Er gibt uns einfach diesen Tick mehr an Kreativität“, schwärmt der Coach: „Er ist keiner dieser NLZ-Spieler, sondern noch so ein richtiger Straßenkicker. Wenn er auf den Platz geht, will er immer die Kugel haben und was probieren – egal ob‘s gerade gut oder schlecht läuft. Deswegen hat er uns auch so gefehlt.“ Doch kein Lob ohne pädagogischen Zeigefinger. Zu einer Spuckattacke wie in Braunschweig werde sich das Spielmachertalent nie wieder hinreißen lassen, ist sich Bierofka sicher: „Zumindest nicht, solange er hier ist.“

Muss 1860 nicht mal wieder ein Juwel zwangsverscherbeln, dürfte Bekiroglu auch nächste Saison zu den blauen Hoffnungsträgern zählen – vorausgesetzt, der Aufsteiger hält die Klasse. Was das angeht, macht sich Bierofka aber weit weniger Sorgen als mancher Fan, der in diesen Tagen mit Sorgenmiene und Rechenschieber über dem Restprogramm brütet. „Wir haben es selber in der Hand, das ist schon mal eine super Situation für uns“, sagt der Löwen-Coach: „Egal, was jetzt gegen den KSC passiert, wir haben danach noch Zwickau, Fortuna Köln und Jena vor der Brust. Spiele, wo wir auf Augenhöhe sind und noch punkten können.“ ULI KELLNER

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