Die Verlockung, drüben zu bleiben

von Redaktion

Viele Sportler gewinnen das Land lieb, in dem sie Karriere gemacht haben

Sobald die Eishockey-Saison vorüber ist, fliegt Leon Draisaitl nach Köln. „Dort sind meine Kumpels. Und in Kanada vermisse ich das Essen von Mama. Köln wird immer meine Heimat bleiben.“ Auch Dominik Kahun hielt es nach dem letzten Spiel mit den Chicago Blackhawks nicht mehr in der Stadt. Er wollte heim zu seinen Eltern und zum Bruder, „die derzeit in Regensburg leben“.

Klare Bekenntnisse zu den Wurzeln – doch so muss es nicht bleiben. Oft finden Sportstars dauerhaft an dem Land Gefallen, in dem sie zunächst nur eine Lebensabschnittszeit verbringen wollten. So wie Dirk Nowitzki. Der Franke zeigte mit regelmäßigen Sommeraufenthalten in der Heimat seine Verbundenheit, in Würzburg trainierte er dann privat unter Anleitung seines Mentors Holger Geschwindner. Doch der Basketballstar hat mittlerweile eine Familie gegründet, seine Frau hat er in Dallas kennengelernt, dort kamen die drei Kinder zur Welt – und in der Organisation der Mavericks wird er einen Job annehmen.

Marco Sturm, als Eishockey-Bundestrainer der Olympia-Silberschmied 2018, lebt auch wieder in den USA. Des Jobs (Coach in Los Angeles) und auch der beiden Kinder wegen, die in den USA aufgewachsen waren und sich in Deutschland nicht wie erhofft wohlfühlten. Als junger NHL-Spieler hatte Sturm sich ein Haus in Landshut gekauft, in den Sommern war er immer da. Doch ihn prägten auch die Jahre an der Westküste der USA. Sein Bekannter seit Kindertagen, der heutige Eishockey-TV-Experte Rick Goldmann, sagt: „In Kalifornien ist Marco daheim.“ Mit Dennis Seidenberg hat sich ein noch aktiver deutscher Eishockey-Profi in der NHL festgelegt: Lebensmittelpunkt ist Amerika. Bruder Yannic (EHC München) kommt im Sommer immer rüber zum gemeinschaftlichen Trainieren.

Auch Uwe Krupp entwickelte eine starke Amerika-Affinität. Es befremdete ihn in den 90er-Jahren, „wie die Deutschen mit ihren Sport-Idolen umgehen“. Anlass für seine Verstimmung war der Steuerprozess gegen Steffi Graf und die Berichterstattung drumherum. Sogar noch als Eishockey-Bundestrainer (2005 bis 2011) bevorzugte Krupp es, von Nordamerika aus zu wirken, erst vor der Heim-WM 2010 war er zum Umzug zu bewegen.

Deutsche, die es in amerikanischen Sportarten zu was gebracht haben, geben der Versuchung eher nach, in den USA zu bleiben. American Footballer Sebastian Vollmer, der Nordrhein-Westfale, der mit den New England Patriots die Super Bowl gewann, hat die US-Ostküste zum Lebensmittelpunkt erklärt. Detlef Schrempf, erster deutscher NBA-Star, wurde sogar US-Staatsbürger, und Golfer Bernhard Langer, hat Wohnsitze in Florida und bei Seattle, während sein Bruder in der Nähe von Augsburg die Geschäfte des Golf-Unternehmens Langer führt.

In den Weiten Amerikas lebt es sich einfach ruhiger. Das erkannte Steffi Graf, die mit Andre Agassi unbehelligt in Nevada lebt, und Jürgen Klinsmann. Als Fußball-Bundestrainer war er in Huntington Beach/Kalifornien nicht greifbar.  gük

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