EHC München muss nicht trauern

Eine Saison fürs Innenleben

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Game over, Finalserie verloren, Meisterschaft abgegeben: In Mannheim ist die Saison des EHC München am Freitagabend zu Ende gegangen. Nach Platz zwei in der Hauptrunde nun also auch Platz zwei in den Playoffs.

Erklärbar und kein Drama, dass es so gekommen ist. Anders als in den Vorjahren hatte der EHC in den Playoffs nicht den kompletten Kader zur Verfügung, während Gegner Mannheim fit und gesund war. Die Münchner Mannschaft verfügte auch nicht mehr über die außergewöhnlichen Typen wie bei den Meisterschaften von 2016 bis 2018. Nicht zuletzt wurde sie zum Opfer des deutschen Olympiasilbers, durch das der Blick der NHL auf Ausnahmeerscheinungen wie den Spielmacher Dominik Kahun und die Tormaschine Brooks Macek fiel. Diese Abgänge waren nicht eins zu eins zu kompensieren, der EHC kaufte zwar teuer und gut, aber auch konventionell ein. Auf dem Eis stand eine gute, doch eben nicht geniale Truppe. Und schließlich war da auch noch ein Gegner, Mannheim, der vergleichbare wirtschaftliche Voraussetzungen hat wie München und in dieser Saison die klügere Personalpolitik betrieb. Vor allem sorgte der neue Trainer Pavel Gross für einen Kulturwandel, er vertrieb die Bequemlichkeit, die das Projekt Mannheim die vergangenen Jahre behindert hatte. Gross, der dem Münchner Trainer Don Jackson so oft Paroli geboten und meist verloren hatte, war jetzt einfach mal dran mit einer Krönung.

Die Münchner erlebten einen stillen Ausklang dieser Saison, sie sollten sich aber damit trösten, dass sie trotzdem Außergewöhnliches vollbracht haben: Als erster deutscher Club erreichten sie das Finale der Champions League. Das verschaffte diesem Wettbewerb hierzulande Aufmerksamkeit und bewirkte auch im Innenleben der Organisation Red Bull München etwas. Die Halbfinalreise nach Salzburg und das Finale in Göteborg, zu dem 600 EHC-Sympathisanten flogen und ihren München-Stolz zum Ausdruck brachten, wurden zu den wichtigsten emotionalen Etappen der jungen Geschichte. Dass man am Ende verlor – ja mei, Sport halt.

Guenter.Klein@ovb.net

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