München findet seinen Meister

von Redaktion

EHC macht es in Mannheim noch einmal spannend, verliert den Titel in der Verlängerung

VON GÜNTER KLEIN

Mannheim – Der Eishockey-Trainer Don Jackson hat in seinem Leben schon einige verrückte Playoff-Schlachten geschlagen. Die am Freitagabend war eine weitere. Aber sie ging nicht gut aus: Zwar lieferte sein EHC München eine furiose Aufholjagd von einem 1:4 zum 4:4, doch in der Overtime wurde der Druck der Adler Mannheim immer nachhaltiger. Der 38. Schuss aufs Münchner Tor brachte durch den italokanadischen Verteidiger Thomas Larkin die Entscheidung. Das fünfte Spiel der Best-of-Seven-Finalserie ging mit 5:4 (2:0, 2:2, 0:2, 1:0) an Mannheim, die Adler gewannen die Serie somit 4:1. Der EHC München nach drei Jahren Regentschaft in der Deutschen Eishockey-Liga somit entthront. Mannheim ist jetzt Meister.

Der Matchplan für ein Rücken-zur-Wand oder in der Fachsprache Do-or-die-Spiel sieht sicher nicht ein erstes Drittel wie dieses vor. Die Münchner wirkten seltsam unbeteiligt, als die Mannheimer ihre schnellen Angriffe fuhren und die EHC-Abwehr wie nach Wunsch auseinander zogen. Das in Playoffs bedeutungsschwere erste Tor erzielten die Adler in der 6. Minute durch Marcel Goc, ihren ehemaligen NHL-Crack, der in seiner Mittdreißiger-Altersrolle sich mit einem Platz in der vierten Angriffsreihe bescheidet. Doch Goc ist noch flott unterwegs auf den Schlittschuhen und war auch am 2:0 (12.) beteiligt. Es erzielte bei einem blitzsauberen Konter Cody Lampl, der aufgerückte Verteidiger, der schon bei Spiel vier zwei Tage zuvor in München getroffen hatte.

„Desperate“ muss man in der Lage der Münchner sein, und diese Verzweiflung, die ein Team zum Äußersten treibt, war erreicht, als Matthias Plachta das zweite Drittel mit dem 3:0 eröffnete (24.). Nun musste der EHC Druck aufsetzen, und er tat es. Im Überzahlspiel gelang Trevor Parkes, dem Kanadier, der in den Playoffs wenig gezeigt hatte, das 1:3 aus Münchner Sicht, und auch wenn Mannheim mit einem weiteren Treffer konterte (der Finne Huhtala war nach einem Bandenabpraller ein Hundertstel vor dem Fanghandschuh von Danny Aus den Birken zur Stelle), stimmte endlich die Haltung des EHC zu diesem Spiel. Er überstand eine Unterzahl (Stajan war hart gegen Adler-Keeper Endras eingestiegen) und drängte die Mannheimer zurück. Schließlich gelang eine Pückeroberung, Tobi Eder spielte einen feinen Pass auf Bruder Andy, der mit Eiseskälte vollstreckte. In seiner Miene konnte man lesen: Der Glaube an die Wende lebte noch. Mannheim sollte sehen: München steht für Mentalität. Der Zeitpunkt für ein 4:2 war auch nicht schlecht: eineinhalb Minuten vor Drittelpause.

War München nun im Kopf der Adler? Ja. In der 46. Minute der Anschluss zum 3:4. Zweites Überzahltor des EHC, durch Patrick Hager. Und in der 48. der nächste Streich: Yasin Ehliz, im Finalverlauf auch Underperformer gewesen, cool mit dem 4:4 aus dem Handgelenk. Die Mannheimer skateten etwas holprig, ihre beste Chance (Kolarik, 57.) vereitelte EHC-Goalie Aus den Birken.

Verlängerung, dramatische Zuspitzung, Menschentrauben vor dem Münchner Tor., aber auch EHC-Qualitätskonter (Hager, 68. und 74, Stajan, 69.). Und dann nach 73:37 Minuten Gesamtspielzeit: ein strammes Verteidigertor (Larkin) und der Titel für Mannheim.

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