München – Ein Ritual im Eishockey: Nach dem letzten Spiel geht eine Mannschaft nie sofort auseinander, sie verbringt noch ein paar Tage zusammen, bespricht die Saison. Die des EHC München war gut, aber nicht glorreich, da titellos. Nicht alle Spieler haben sich bewähren können. Die Einzelkritik.
TORHÜTER
Dany Aus den Birken: Hatte einige Unbezwingbarkeitsphasen in der Hauptrunde, bot starke Leistungen in der Champions League. In den Playoffs ebenfalls mit großen Saves, aber auch einigen unglücklichen Szenen.
Kevin Reich: Kam nach Verletzung schwer in die Saison, musste ein 3:8 in Iserlohn hinnehmen. Klare Steigerung im Lauf des Jahres, ohne an Aus den Birkens Status kratzen zu können.
VERTEIDIGER
Yannic Seidenberg: Gewohnt gute Hauptrunde, in den Playoffs geriet er in die Miesen.
Derek Joslin: Produziert seine Punkte, war viertbester EHC-Scorer in den Playoffs. In der Defensive jedoch oft den berühmten Schritt zu spät.
Konrad Abeltshauser: Schwere Playoff-Knieverletzung beendete eine Saison, die deutlich besser war als die vorangegangene.
Daryl Boyle: Weniger auffällig als in den Jahren davor.
Andrew Bodnarchuk: Läuferisch stark, aber mit wenig Einfluss auf das Spiel. In den Finals zu nachlässig.
Keith Aulie: Der König der Plus-Minus-Statistik in der Hauptrunde (+26), Einbruch in den Playoffs (–6). Seine Primärkompetenz: Dank Physis Einschüchterungsfaktor für den Gegner.
Ryan Button: Fällt in der Verteidiger-Hierarchie ab, bekam aber auch Einsätze im Angriff; diese Aufgabe löste er solide.
Emil Quaas: Der 22-Jährige, vor allem in CHL und Playoffs berücksichtigt, spielte seine noch überschaubaren Eiszeiten solide herunter.
STÜRMER
Mark Voakes: Der beste Neuzugang. Toller Techniker, Stratege. Gesundheitlich entgegen aller Skepsis stabil, ausgerechnet in den letzten drei Finals konnte er nach einem Check nicht mehr mitmachen.
John Mitchell: Mit seiner NHL-Routine ein Gewinn, er traf im Gegensatz zu anderen auch in den Playoffs, war da aber defensiv schwach.
Trevor Parkes: Seine Torquote aus den Augsburger Jahren halbierte sich, vor allem im Überzahlspiel hatte man mehr erwartet. In den Playoffs nur wenige lichte Momente. Die besten Auftritte hatte der Kanadier in der CHL.
Justin Shugg: Eher enttäuschend. Beste Phase war die erste Playoff-Runde gegen Berlin, ab dem Halbfinale weniger präsent, im Finale dann verletzt.
Matt Stajan: Kam frisch aus der NHL, wo er über 1000 Matches bestritten hatte, zuletzt aber nur in den hinteren Reihen. Musste sich an eine Rolle mit mehr Eiszeit erst wieder gewöhnen. Zur tragenden Säule des Münchner Spiels wurde er nicht. Er blieb ein Mitläufer auf hohem Niveau.
Yasin Ehliz: Das letzte Finale war sein bestes Spiel – davor lagen etliche, in denen er unsichtbar blieb. Es war eine schwere Saison für ihn nach dem abgebrochenen Kanada-Abenteuer und dem Rosenkrieg mit Ex-Club Nürnberg. Ist noch nicht wieder der Spieler, den man von den Ice Tigers kannte.
Michael Wolf: Schaffte nach neunwöchiger Verletzungspause noch einmal den Anschluss, fiel in den Playoffs aber ab. Nach einer großen Karriere ist der Zeitpunkt des Rücktritts mit 38 gut gewählt.
Patrick Hager: Permanent torgefährlich, obwohl er nur zehn Tore erzielte. Top-Unterzahlspieler. Machte sich jedoch mit zwei Kniechecks zum Buhmann der Liga.
Frank Mauer: Blieb verletzungsfrei und spielte eine Saison ohne Durchhänger. Bester Torschütze.
Maximilian Kastner: Überragende Saison – wären da nicht seine Verletzungen gewesen. Dynamisch, furchtlos, nervenstark.
Mads Christensen: Zu lange verletzt, um noch richtig in Form zu kommen. Immerhin: Entscheidendes Tor zum Finaleinzug. Verzichtet auf die WM (mit Dänemark), um sich auszukurieren.
Andy Eder: Erste Saison mit über zehn Toren. Hätte eine bessere Rolle verdient als die im vierten Sturm mit im Schnitt 10 Minuten Eiszeit.
Jakob Mayenschein: 35 Hauptrunden-Einsätze, in der CHL regelmäßig dabei, in den Playoffs aber Reservist. Kommt in der Teamhierarchie nicht voran.
Maximilian Daubner: Erfrischende Erscheinung. Nutzte seine Chancen mit guter Arbeit vor dem Tor.
Tobias Eder: Der kleine Eder trug sich vor drei Jahren als Meisterspieler ins Goldene Buch der Stadt München ein, war dann aber zwei Jahre in der Red-Bull-Akademie verschollen. Tauchte nun wieder auf, bestätigte sein Talent. Wird seine Eiszeiten künftig in Düsseldorf holen.
Jason Jaffray: Ein Hüftschaden wird wohl zum Karriereende führen.
Justin Schütz: NHL-gedraftetes Talent aus der Akademie. Drei EHC-Einsätze, verletzte sich aber.