München – Den letzten Auftritt des FC Bayern als einfallsreich zu bezeichnen, wäre mehr als beschönigend. Jedenfalls die Vorstellung auf dem Platz, denn anschließend gaben sich die Münchner ziemlich Mühe, ein bisschen Esprit zu versprühen – wenigstens einmal an diesem Abend in Nürnberg. Thomas Müller zum Beispiel war bei der Einordnung schnell und direkt, Tugenden die ihm und seinen Kollegen beim 1:1 zuvor abgegangenen war. Er sprach von einem „kleinen Tritt in den A…“, der dazu führe, „dass wir nächste Woche noch angestachelter in die Partie gehen“.
Falls Müller damit ausdrücken wollte, sie seien auch gegen Nürnberg so ein klein wenig angestachelt gewesen, haben die Münchner verstanden, dies geschickt zu verbergen. Die Steilvorlage des Verfolgers Borussia Dortmund am Tag zuvor, deren 2:4-Pleite im Revierderby gegen Schalke, wirkte nicht motivierend, sondern führte zu einer seltsamen Antriebslosigkeit bei den Münchnern.
Nicht zum ersten Mal in diese Saison. Die Bayern neigen dazu, die Kräfte für die großen Partien zu bündeln und zu versuchen, die kleinen im Energiesparmodus zu absolvieren. Freiburg und nun Nürnberg in der Rückrunde, Augsburg und Freiburg in der Hinrunde – in den Duellen mit jenen sechs Teams, die am Ende der Tabelle stehen, büßten die Münchner gegen drei jeweils Punkte ein. Und dummerweise kommt auch der nächste Gegner aus der Abstiegszone. Hannover 96 ist am Samstag der große Außenseiter, die Münchner die großen Favoriten – alles, wie vor der Partie beim 1. FC Nürnberg. „Man sieht, man muss sich auf konzentrieren“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic und kritisierte die fehlende „Killermentalität“.
Die Spieler wollen sich nicht nachsagen lassen, Teams zu unterschätzen. „Wir haben in der Rückrunde gezeigt, zu was wir fähig sind und was für einen Charakter wir haben“, betonte David Alaba. Nun ja, dass man am Ende einer langen Saison nicht mehr alle Gegner im Hurrastil besiegt, ist nachvollziehbar. Aber die Bayern, die ein paar Tage auf James (Wadenverhärtung) verzichten müssen, zeichnete auf dem Weg zur Meisterschaft in den vergangenen Jahren aus, dass sie meist die richtige Dosis erwischten – zurückgelehnt haben sie sich erst, wenn der Titel eingefahren war.
Dieses Mal begannen die Münchner schon früher damit, und es stellt sich die Frage, welche Rolle Trainer Niko Kovac einnimmt. Die Taktik mag nicht immer für alle nachvollziehbar sein, zum Beispiel, warum er gegen den massiv verteidigenden Club mit Javi Martinez als Abräumer spielen ließ und nicht einen zusätzlichen Offensivmann im Mittelfeld brachte. Auf der anderen Seite darf dies nicht als Entschuldigung gelten. Die Bayern kamen in erster Linie wegen fehlender Laufbereitschaft und unpräzisem Spiel kaum zu Torchancen – und vergaben die beste durch Coman.
Ein wenig zerknirscht verließen die Spieler zwar das Nürnberger Max-Morlock-Stadion am Sonntagabend, aber lange beschäftigen werden sie sich mit der Partie nicht. Es gebe „nicht viel Schlaues“ dazu zu sagen, „außer dass wir den Mund abputzen müssen“, ließ Müller wissen. Und der Abend habe ja auch etwas Positives gehabt, allerdings „das einzig Gute“, gibt der 29-Jährige zu: „Unsere Situation hat sich trotzdem verbessert.“
Die Bayern dürften sich aufgrund der nun zwei Punkte Vorsprung und des im Vergleich mit Dortmund viel bessere Torverhältnisses sogar noch ein Remis in den letzten drei Saisonspielen erlauben. Eine Einladung an die Mannschaft, noch einmal in den Energiesparmodus zu schalten, ist dies für Salihamdizic aber keine. „Man braucht nicht nach links und rechts schauen, sondern unsere Spiele gewinnen“, forderte der Sportdirektor. Klingt doch ganz einfach.