München – Jetzt also Totopokal. Ein Wettbewerb, der bei den Drittligisten eher nebenher läuft – auch, weil er keinem festen Rhythmus folgt. Die letzte Runde liegt sieben Monate zurück, 1860 siegte mit 2:0 in Buchbach (am 10. Oktober). Und auch jetzt, vor dem Halbfinale bei Viktoria Aschaffenburg, stellt sich die Frage: Ist der Verbandspokal lästige Pflicht oder – in der aktuellen Krise – willkommene Abwechslung?
Für Daniel Bierofka ist der Fall klar. „Lästig ist er nicht für uns“, sagt der Coach: „Es ist ganz klar: Wir wollen ins Finale kommen und den Pokal gewinnen.“ Nicht wegen der 5000 Euro, die dem Sieger winken, sondern wegen der damit verbundenen Teilnahme am DFB-Pokal, die richtig lukrativ ist. Vor allem aber ist der Pokal eine gute Gelegenheit, Selbstvertrauen zu tanken nach zuletzt vier Ligapleiten ohne selbst erzielten Treffer. „Was wir brauchen, ist ein Erfolgserlebnis“, sagte Bierofka nach dem 0:2 gegen den KSC: „Ob das ein Tor ist oder ein Sieg – Erfolge sind in dieser Phase unersetzbar. Deswegen fahren wir da auch mit voller Kappe rauf.“ Stimmt so nicht ganz: Daheimgeblieben sind gleich drei Stammspieler: Nico Karger, Daniel Wein und Sascha Mölders. Dazu der in Ungnade gefallene Prince Owusu.
Doch mit wem genau bekommt man es zu tun? Der Gegner, Viktoria Aschaffenburg, ist nur ein Jahr jünger als der FC Bayern (1901 gegründet), doch speziell im Süden des Freistaats wird er kaum wahrgenommen – oder nur mit seinen berühmten Söhnen assoziiert (Felix Magath, Rudi Bommer und die Ex-1860-Profis Daniel Baier, Marcel Schäfer). Was auch daran liegt, dass die Viktoria bis 2012 dem Hessischen Verband angehörte. Bierofka weiß zwar, dass der Regionalliga-Aufsteiger zuletzt erst kurz vor Schluss dem FC Bayern II unterlag, doch der Alltag am Untermain ist trübe. Nur ein Team hat weniger Punkte in der Rückrunde gesammelt, und für Trainer Jochen Seitz, den früheren Hachinger, ist klar, dass der Klassenerhalt Vorrang hat. Wenngleich man den Löwen gerne ein Bein stellen würde. „Seit Oktober, seit der Auslosung, ist das Spiel das Gesprächsthema in der Stadt“, berichtet Klaus Gast vom Main-Echo: „Für die Viktoria ist es das größte Highlight seit dem Intermezzo in der 2. Liga vor 30 Jahren. Das Stadion wird mit 6650 Zuschauern ausverkauft sein.“
Die Löwen sollten alles daran setzen, das Spiel während der 90 Minuten zu bestreiten. Im Elfmeterschießen, das bei Gleichstand direkt folgen würde, hätten die Gastgeber nach Lage der Dinge bessere Argumente. Keeper Kevin Birk, 27, parierte in der Regionalliga zuletzt gleich zwei Strafstöße. ULI KELLNER