Absicht ist es gewiss nicht, dass der FC Bayern die Dortmunder Steilvorlage ignoriert hat. Obwohl: Es hat sicher seinen Reiz, an jenem Spieltag die Meisterschaft zu sichern, an dem es auch die Schale gibt, also am letzten der Saison. Endlich einmal spontaner Siegesjubel, echte Emotionen, statt zu versuchen, die Meisterfreude ein paar Wochen lang zu konservieren, was immer weniger gut gelang, je öfter die Bayern bereits spätestens an Ostern uneinholbar davongezogen waren.
Der Titelkampf ist endlich wieder spannend, wahrscheinlich bis zum 34. Spieltag, das ist die gute Nachricht. Auf der anderen Seite wirkt das Duell Bayern gegen Dortmund im Endspurt nicht von unbändigem Willen getrieben, von der Lust, noch einmal alles aus sich herauszuholen. Die einen – die Dortmunder – können nicht mehr, und die anderen wollen nur dann, wenn die Tabellenführung in Gefahr gerät. Ganz abgesehen von den beiden Punkten Vorsprung ist allein deshalb der FC Bayern Favorit. Im Gegensatz zum BVB scheinen die Münchner ihre Rest-Energie in Körper und vor allem Geist besser steuern zu können.
Trotzdem gibt der FC Bayern ein paar Rätsel auf. War es nicht immer die Stärke des deutschen Rekordmeisters, Patzer der Gegner bzw. des Gegners gnadenlos auszunutzen? Unvergessen ist das Herzschlagfinale 2000, als sie Bayer Leverkusen noch am letzten Spieltag abfingen. Oder 1986, damals stießen sie die Bremer nach Kutzops verschossenem Elfmeter vom Thron. Sicher, in den vergangenen Jahren gab es national für die Bayern keine Gegner auf Augenhöhe mehr, vielleicht müssen sie sich diese Tugend, nicht nachzulassen, erst wieder erarbeiten.
Es könnte aber auch eine Frage der Ansprache sein. Hat Niko Kovac wirklich noch einen ganz heißen Draht zur Mannschaft? Zweifel gibt es, erst recht, weil der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge regelmäßig die Autorität des Trainers untergräbt. Er windet sich um eine Jobgarantie für Kovac (zuletzt am Tag des Nürnberg-Spiels in der „Bild am Sonntag“), schürt damit Unruhe und gibt der Mannschaft obendrein ein Alibi.
Geht das mit Titel doch noch schief, stehen natürlich in erster Linie die Spieler und der Trainer in der Kritik. Aber ein bisschen müsste es dann auch der Club-Chef auf seine Kappe nehmen.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net