Scharolds Hilferuf

von Redaktion

Finanzboss der Löwen appelliert an Reisinger und Ismaik – Lizenz mit Auflagen

VON LUDWIG KRAMMER

München – Sportlich im freien Fall, clubpolitisch blockiert – die Lage beim TSV 1860 könnte trostloser nicht sein. Gestern lud Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold zur Pressekonferenz, um einen Überblick zu geben. „Wir sind ein krankes Unternehmen, daran hat sich wenig geändert“, sagte er. Nach wie vor gebe es zwischen den Gesellschaftern – e.V.-Seite und Hasan Ismaik – keine Übereinkunft darüber, wie sich die KGaA erfolgsorientiert finanzieren solle. „Es ist schade, dass wir immer noch keine nachhaltige Planungssicherheit haben.“ Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Lizenzierung

1860 erhält die Lizenz für die kommende Saison mit Bedingungen und Auflagen. So habe es der DFB jüngst mitgeteilt, berichtete Scharold, ohne auf Details einzugehen. Auf Nachfrage bestätigte er, dass zur Sicherung der Liquidität das Sicherheitsdarlehen von Hauptsponsor „Die Bayerische“ zu großen Teilen abgerufen werden müsse. Dazu kämen rund 600 000 Euro zugesagtes Ismaik-Geld. Auch in der neuen Saison wird mit einem Defizit in siebenstelliger Höhe gerechnet.

Finanzielle Situation

1860 lebt wie eh und je von der Hand in den Mund. Auf der Kostenseite sollen die Potenziale weitgehend ausgeschöpft sein, bei den Erlösen hofft Scharold vor allem auf eine Erhöhung der Sponsoring-Einnahmen. Beim Ticketing sei das Ende der Fahnenstange erreicht, auf Transfererlöse zu spekulieren, wäre in der 3. Liga ziemlich weltfremd. Scharolds Rechnung: „Wenn wir von Erlösen von insgesamt zehn Millionen Euro ausgehen und unser Budget für die nächste Saison halten wollen, müssten wir unsere Erlöse um 20 Prozent steigern. Und wenn wir das Budget von diesem Jahr haben wollten, dann müssten wir ein Plus von 35 bis 40 Prozent erreichen.“ Utopie.

Aktueller Kurs

Angesichts der Blockade zwischen e.V. und Ismaik sowie des von Präsident Robert Reisinger ausgerufenen Konsolidierungskurses ohne frische Darlehen ist eine Senkung des Profi-Etats von aktuell rund 4,5 Millionen Euro auf gut 3 Millionen Euro die realistischste Perspektive. In der Saison 2020/21 wird ein weiterer Cut folgen, falls auch bis dahin kein gemeinsamer Weg mit Ismaik gefunden ist. Scharolds Hilferuf: „Wir müssen uns zusammensetzen!“

Stadion

Ob das Grünwalder Stadion zweitligatauglich umgebaut werden könne, wird die beim Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie beantworten. Einen Zwischenstand gebe es laut Scharold nicht. Solange kein zweitligataugliches Stadion für 1860 in Aussicht sei, werde „uns das als Dauerthema begleiten“, sagte er.

Allgemeine Stimmung

Als positiver Mensch (Eigenbeschreibung) glaubt Scharold noch immer an einen Kompromiss zwischen den Gesellschaftern. „Ich habe nicht den Eindruck, dass totaler Stillstand herrscht“, sagte er. Inwieweit die jüngste Pressemitteilung von Aufsichtsratsboss Saki Stimoniaris dafür verantwortlich war? Der MAN-Betriebsratschef schrieb gestern: „Wir sind gerade dabei, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft unseres Vereins zu stellen.“ Kurioserweise wussten die e.V.-Vertreter im Aufsichtsrat nichts von dieser Mail.

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