Großes Abschiednehmen

von Redaktion

James’ Rückkehr zu Real wohl fix – Robben vor dem letzten Bayern-Comeback

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Arjen Robben wirbelt über den Platz, ist nicht zu halten, von niemandem an diesem Tag. Er verschleißt drei Gegenspieler, schießt so oft aufs Tor wie kein anderer Profi des FC Bayern, und er trifft häufigsten. Drei Tore gelingen dem Niederländer, zum ersten Mal in seiner Münchner Karriere, am Ende gewinnen die Bayern 7:0 gegen Hannover 96.

Gut, das Ereignis liegt neun Jahre zurück. Es hat sich viel verändert. Wenn der Rekordmeister an diesem Samstag gegen die Niedersachsen antritt (15.30 Uhr, Sky), ist die Rolle Robbens eine andere. Damals war er 26 und im besten Fußballeralter. Jetzt ist er 35 und auf der Zielgeraden seiner Karriere bei den Bayern. Er wird nur auf der Bank sitzen, erst einmal zumindest, wie auch Franck Ribery, sein Pendant auf der linken Seite.

Die Plätze auf den beiden Flügeln haben längst Kingsley Coman und Serge Gnabry eingenommen, nicht nur, weil Ribery immer wieder einmal mit Wehwehchen kämpfte und Robben fünf Monate lang ausfiel. „Wir werden nicht anfangen, alles über den Haufen zu schmeißen und sagen: Okay, jetzt müssen wir jemandem einen schönen Abgang verschaffen. Da muss erst das Sportliche stimmen“. sagte Bayern-Trainer Niko Kovac. „Unter dem Strich müssen wir erfolgreich sein.“

Wenn die Münchner aber so mitreißend spielen wie damals 2010, als sie, dank Robben, den höchsten Bundesligasieg gegen Hannover feierten, dürfen die beiden Oldies immerhin auf eine Einwechslung hoffen. „Ich bin sicher, dass sie in den nächsten vier Spielen noch Einsatzminuten bekommen“, sagte Kovac.

Sollte der Kampf um den Titel tatsächlich bis zum letzten Spieltag spannend bleiben, dürfte sich das Duell mit dem Tabellenschlusslicht vielleicht sogar am besten dafür eignen. Der künftige Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig eine Woche später und zum Abschluss Europa-League-Halbfinalist Eintracht Frankfurt sind andere, schwerere Kaliber.

Allerdings hatte auch Nürnberg, dort stand Robben zum ersten Mal seit Ende November wieder im Kader, in der vergangenen Woche nicht als große Hürde gegolten, Aber dann taten sich die Münchner schwer, wie schon zuvor gegen Teams aus dem Tabellenkeller.

James sitzt am Samstag nicht einmal auf der Bank – wegen der Muskelverhärtung, die er sich am vergangenen Sonntag in Nürnberg eingehandelt hat. Wie Robben und Ribery ist auch der Kolumbianer dabei, Abschied zu nehmen aus München. Die spanische Zeitung „Marca“ berichtete, dass die Bayern die Kaufoption im Juni nicht ziehen wollen und James deshalb erst einmal zu Real Madrid zurückkehrt.

Ganz überraschend ist dies nicht. In den vergangenen Wochen hatte sich bereits angedeutet, dass der Rekordmeister Zweifel hat, ob James die ihm zugedachte Rolle als Mittelfeld-Chef ausfüllen kann. Allerdings hatte Zinedine Zidane nach seiner Rückkehr ins Traineramt bei Real im März bereits wissen lassen, dass er nicht mit dem 27-Jährigen plane. Womöglich ist somit Madrid nur eine kurze Zwischenstation für James, der mit dem SSC Neapel in Verbindung gebracht wird. Dort ist Carlo Ancelotti, einst bei Real James’ Trainer und Mentor, Chefcoach.

Wie Robben und Ribery würde sich aber auch James gerne mit dem Double aus München verabschieden. Kovac hofft auf eine Meister-Entscheidung schon vor dem letzten Spiel, „sonst wird es eine Nervenangelegenheit für uns alle“.

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