Man muss im Fußball immer mindestens ein Jahr vorausblicken. Beim FC Bayern gehen die Planungen daher schon Richtung 2020, wenn Franck Ribery und Arjen Robben ihr großes Abschiedsspiel bekommen sollen. Dafür muss ein Gegner besorgt werden, der auf den Außenverteidigerpositionen nicht mit jungen Ehrgeizlingen antritt, sondern mit Spielern, die bereit sind, auch mal auf einen guten alten Flügelzangentrick einzugehen (zum Beispiel: Robben geht ganz sicher außen an der Linie vorbei, er wird nicht, niemals, auf keinen Fall nach innen ziehen). Und wichtig: Auch die beiden Protagonisten müssen gut vorbereitet werden: Der Arjen muskulär, der Franck mental – nicht dass er bei seiner Gala einem Gegenspieler eine wischt. Oder wie damals in der Halbzeitpause gegen Real Madrid dem Arjen, weil der einen Freistoß partout selbst schießen wollte. Wer 2020 Bayern-Trainer sein wird, sollte Ribery und Robben auch offen sagen, dass er sie in ihrem Abschiedsspiel auswechseln wird und dies nur den einen Grund hat, dass die beiden noch mehr Applaus bekommen als ohnehin schon. Aber es hat keine sportlichen Gründe.
Mancher Bayern-Nostalgiker mag auf die Idee kommen, in gut einem Jahr könnte man auch einen weiteren verdienten Münchner Spieler in das Robbery-Abschiedsfest einbauen: Claudio Pizarro. Würde von der Position passen, es gäbe das erste Kompletter-Sturm-Abschiedsspiel der Welt. Schöner, anrührender Gedanke – aber unrealistisch. Denn warum sollte Pizarro ans Aufhören denken? Seine fußballerische Verrentung wäre auch gar nicht im Sinne des FC Bayern, bei dem er derzeit zwar nicht unter Vertrag steht, für den er aber immer noch höchst wirkungsvoll spielt. Nur eben in einem anderen Trikot, dem von Werder Bremen. Pizarro hat am Samstag gegen Dortmund das Tor geschossen, das dem BVB zwei Punkte und die bis dahin nach wie vor gute Titelchance raubte – es ist ziemlich offensichtlich, dass er als Agent für den FC Bayern arbeitet. Vor ein paar Jahren hat er für Werder auch schon mal Tore gegen den FC Bayern geschossen – doch gut, Tarnung gehört zum Geschäft der Schlapphüte.
Ribery und Robben werden kommende Saison nicht mehr beim FC Bayern spielen, aber, bevor sie 2020 für ein finales Match zurückkehren, für andere Clubs. Sicher bekommen sie einen Auftrag mit, wen sie (wohl international) aus dem Weg räumen sollen.
Guenter.Klein@ovb.net