Die Löwen fühlen sich verpfiffen

von Redaktion

Bierofka nach fataler Serie: „Der DFB soll erfahrene Schiedsrichter schicken“

VON ULI KELLNER

Zwickau – Nachdem lange vor allem blauer Rauch aus Block D aufgestiegen war, kam in der 70. Minute auch mal ein nicht beanstandenswerter, origineller Beitrag aus dem Pulk der mitgereisten Löwen-Fans. Sie sangen: „Wir reisen weit, wir reisen viel, wir verlieren jedes Spiel.“ Bittere Selbstironie als Reaktion auf den sportlichen Ist-Zustand des Profiteams. Das 2:5 (1:2) beim FSV Zwickau war die sechste Pflichtspielpleite in Folge inklusive Totopokal. Die Löwen sind zwei Runden vor Schluss noch immer nicht gerettet – weil individuelle Patzer derzeit eine unheilvolle Verbindung mit fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen eingehen.

Exemplarisch die Szene vor dem 2:4: Marco Hiller, über Wochen einer der zuverlässigsten 1860-Profis, bekam einen Eckball nicht zu fassen – der heruntergefallene Ball prallte von Davy Fricks Schulter zu Toni Wachsmuth, der möglicherweise noch vor der Torlinie dran war, was dann Abseits gewesen wäre. „Knifflig, würde aber momentan zu uns passen“, brummte Daniel Bierofka, dessen Klage sich vor allem auf die 33. Minute konzentrierte – als Schiedsrichterin Riem Hussein einen Fantasie-Elfmeter pfiff, mit dem sie die phasenweise spielstarken Gäste erkennbar aus dem Tritt brachte. „Ich hab die Szene jetzt in zehn verschiedenen Zeitlupen gesehen, kann da aber nichts erkennen“, schimpfte der 1860-Coach: „Ich will dem Spieler von Zwickau keine Schauspielerei vorwerfen, aber es ein ganz normaler Zweikampf, kein elfmeterreifes Foul. Beide gehen zum Ball – einer fällt hin.“

Romuald Lacazette, der vermeintliche Sünder, wurde zur Pause für den offensiven Marius Willsch ausgewechselt. Frick, sein vermeintliches Opfer, stieg zum spielentscheidenden Mann auf (weil er auch noch zum 3:1 traf) – und Bierofka zum wütendsten Menschen im Mai-Schnee von Zwickau. Hatte er sich auf der Pressekonferenz noch zurückgehalten, fuhr er in kleinerer Runde schwerere Geschütze auf. Zielscheibe war der DFB, dem er mit seinen Schiedsrichter-Ansetzungen eine Teilschuld an der aktuellen Misere anlastete.

„Langsam wird’s auffällig“, polterte der 1860-Coach: „In den letzten fünf Spielen wurden fünf glasklare Entscheidungen gegen uns getroffen – wo man eigentlich gar nichts geben kann.“ Er zählte grenzwertige Pfiffe auf, Platzverweise, auch das nicht gegebene Lorenz-Tor von Halle. „Das tut brutal weh. Wir kommen an einen Punkt, wo man’s nicht mehr akzeptieren kann – und ich werd’s auch nicht mehr akzeptieren. Ich hoffe, dass der DFB sieht, dass wir momentan benachteiligt werden und künftig erfahrene Schiedsrichter schickt.“ Schon deshalb, weil seine Löwen nun laut Bierofka „zwei Endspiele“ um den Klassenerhalt vor der Brust haben.

Kapitän Felix Weber, der vor dem 2:5 patzte und später Gelb-Rot sah, wird am Samstag gegen Fortuna Köln fehlen. Und theoretisch könnte ja auch der letzte Spieltag in Jena noch entscheidend sein.

Mehr Konzentration empfiehlt der erfahrene Jan Mauersberger, der am Samstag selber mehrmals unglücklich aussah. „Es ist leider blöd, dass wir zurzeit immer frühe Tore kassieren“, sagte er. Auch Sascha Mölders, dessen erstes Tor seit 9. März nur kurz neue Hoffnung brachte, sparte nicht mit Kritik. „Wir bekommen hier Gegentore eingeschenkt wie eine Schülertruppe“, moserte er: „In so einer Phase der Saison ist das einfach schlecht.“ Und, seltsame Pfiffe hin oder her: „Die Tabelle, die lügt ja nicht.“

Erstaunlich ist allemal, dass die Zwickauer Etat-Zwerge vorzeitig feiern durften – während die vier Plätze schlechter notierten Löwen nach wie vor zittern müssen.

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