Oberschleißheim – Oliver Zeidler kennt die Regattastrecke in Oberschleißheim schon sein ganzes Leben lang. Der Deutsche Meister im Ruder-Einer absolviert dort den Großteil seines Trainings, sein Großvater Hans-Johann Färber gewann an gleicher Stelle 1972 olympisches Gold. „Seit ich mich erinnern kann, sieht die Anlage gleich aus. Aber es wird von Jahr zu Jahr maroder“, sagt der 22-Jährige, dessen Ziel die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sind.
Die Tribüne bröckelt, die sanitären Anlagen sind in einem schlimmen Zustand, die Jugendherberge ist seit der Errichtung für die Spiele in München vor fast 50 Jahren unverändert. Teilweise gibt es auch große Probleme mit der Einhaltung der Brandschutzvorschriften. Die Strecke selbst und die Wettkampfbedingungen auf der Anlage sind aber nach wie vor erstklassig, weshalb Oberschleißheim bei nationalen wie internationalen Athleten sehr beliebt ist.
Am Wochenende fand eine große Junioren-Regatta statt, 900 Nachwuchssportler aus zehn Ländern im Alter von 15 bis 18 Jahren nahmen daran teil. Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Regattastrecke vom Deutschen Ruderverband zum Qualifizierten Landesstützpunkt erhoben, Sportler, Sportfunktionäre und Politiker schauten Samstagvormittag zu einem Empfang vorbei. Mit großer Spannung wurden die Grußworte der Politiker erwartet, da die Sportler, die Rudergesellschaft München und der Bayerische Ruderverband schon seit Jahren auf eine Sanierung der Anlage hoffen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erinnerte sich zunächst an seinen Besuch während der Olympischen Spiele 1972 und stellte dann fest, dass sich tatsächlich wenig geändert habe. „Das ist einerseits charmant“, sagte er, „aber auf der anderen Seite ist es jetzt wirklich Zeit, dass man die Anlage auf modernen Standard bringt.“
Betrieben wird die Anlage von der Stadt München und dem Land Bayern, für eine Sanierung würde wohl ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag benötigt. Der Stadtrat hatte die Entscheidung über das aufwendige Projekt in den letzten Jahren mehrfach vertagt. Als Vertreter der Stadt kündigte Thomas Ranft (FDP) eine Entscheidung für den 3. Juli an. Von Seiten des Sportausschusses würde man alles für die Regattastrecke tun, erklärte Ranft. Ob die Sanierung aber auch eine Mehrheit im Stadtrat findet, wird sich zeigen.
Eine entscheidende Rolle könnten die European Games 2022 spielen, für die sich München beworben habt. Sollte die Stadt den Zuschlag erhalten, würden die Ruderwettbewerbe in Oberschleißheim stattfinden.