München – Nur noch vier Tage, dann steht das erste von zwei Duellen zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig in diesem Monat an. Ein Sieg reicht den Münchnern, um am Samstag die siebte Meisterschaft in Serie aus eigener Kraft perfekt zu machen. Einen ersten sachdienlichen Hinweis, wie das schwere Bundesligaspiel erfolgreich gestaltet werden kann, erhielt Niko Kovac von seinen Mainzer Trainer-Kollegen Sandro Schwarz. Der erreichte mit dem FSV am vergangenen Freitag immerhin ein 3:3 gegen den Tabellendritten und erklärte danach: „Ich habe selten eine Mannschaft erlebt, die so aktiv auf Abseits spielt wie die Leipziger.“
Achtung FC Bayern, Abseits-Alarm. „Viele Mannschaften spielen in der Bundesliga hier und da auf Abseits. Bei Leipzig ist es aber so, dass die Mannschaft wirklich proaktiv herausrückt. Sie versuchen also nicht nur, mit einer Abseitslinie zu spielen, sondern den Gegner gezielt im entscheidenden Moment ins Abseits zu stellen und so eine Abseitsentscheidung zu provozieren“, erklärt Taktik-Experte Constantin Eckner von spielverlagerung.de dieser Zeitung.
Was Eckner meint: Die Leipziger verteidigen sehr aggressiv, spielen mit einer hohen Abwehrlinie und rücken bei einem Ballverlust eher einen Schritt raus, statt sich nach hinten fallen zu lassen. „Leipzig will den Ball im Mittelfeld stets erobern, aber das klappt eben nicht immer, und man ist dann anfälliger, überspielt zu werden. Den anschließenden Pass in die Schnittstelle zu verhindern, ist dann relativ schwer. Es gibt jedoch noch die Möglichkeit, von hinten rauszurücken und den Gegner so Abseits zu stellen. Das ist natürlich ein Stück weit riskant“, erklärt der Taktikexperte.
Aber warum gehen die Leipziger dieses Risiko in der Abwehr? „Weil sie in der Endverteidigung am oder im Strafraum nicht so stark sind. Es ist auffällig, dass die Leipziger da nicht so stabil stehen“, sagt Eckner. Allzu große Probleme dürfte den Bayern die Abseitsfalle aufgrund ihrer Spielweise aber nicht bereiten. Denn Leipzig spielt in erster Linie im Mittelfeldzentrum auf Abseits.
Kovac ist aber ohne kein Freund von Angriffskombinationen durch die Mitte. Ähnlich wie der frühere Bayern-Trainer Carlo Ancelotti. Er möchte das Spiel breit machen, Serge Gnabry und Kingsley Coman mit Eins-gegen-Eins-Situationen über Außen ins Spiel bringen. Je näher das Flügelduo mit seinen Dribblings der Grundlinie kommt, desto schwieriger ist es für RB, die Abseitsfalle zuschnappen zu lassen. Die Flügelspieler Gnabry, Coman oder auch Franck Ribery, sagt Eckner, „warten eigentlich nie an der Abseitslinie. Und auch Robert Lewandowski ist kein Spieler, der ständig an der letzten Abwehrlinie des Gegners lauert Diese Spieler suchen nicht die tiefen Zuspiele. Der einzige, der ab und zu ins Abseits läuft, ist Thomas Müller.“