Letzter Boxenstopp vor der WM

von Redaktion

Deutschland heute mit drei gegen die USA mit vielen NHL-Spielern – Greiss sagt ab

VON GÜNTER KLEIN

Mannheim/München – Am Freitag vor einer Woche war rund um die Mannheimer Arena am Maimarkt Schlussverkauf. Die Adler hatten soeben das große deutsche Eishockey-Finale gegen den EHC München gewonnen, und die fliegenden Händler boten entlang des Weges zu S- und Straßenbahn zu Schleuderpreisen an, was an Souvenirartikeln aus der soeben zu Ende gegangenen Saison noch übrig war. Sogar die ganz frischen Meister-Shirts und Schals gab es für 10 Euro.

Dabei war klar, dass noch ein Eishockey-Tag folgen würde in dem Mannheimer Multifunktionsbau: das Länderspiel Deutschland – USA, letzter Test für die Weltmeisterschaft, die am Freitag in den slowakischen Städten Kosice (deutsche Gruppe) und Bratislava beginnt. Und tatsächlich: Für dieses die WM-Vorbereitung beschließende Match heute (19 Uhr, Sport1) entwickeln die Mannheimer noch einmal Lust auf Eishockey. 11 500 Tickets gingen im Vorverkauf weg, es könnte also ein ausverkauftes Haus (13 600) werden.

Das liegt am Erfolg der Adler, die mit Denis Reul, Moritz Seider, Markus Eisenschmid und Matthias Plachta auch im Nationalteam vertreten sind – und an der Aussicht, die Stars zu sehen, die sonst fernab von Deutschland wirken. Das Team des neuen Bundestrainers Toni Söderholm wird angeführt von NHL-Größe Leon Draisaitl, der in den beiden Testpartien gegen Österreich fünf Tore schoss (und eine Vergangenheit bei den Jungadlern Mannheim hat). Auch Dominik Kahun (Chicago Blackhawks) ist eine für deutsche Verhältnisse außergewöhnliche Erscheinung.

Es herrscht Konsens: Deutschland wird eine gute Mannschaft stellen. Doch sie wird bei weitem nicht den Starappeal etwa der US-Amerikaner haben, die in Mannheim mit elf Spielern antreten, die von NHL-Clubs einst in der ersten Draftrunde ausgewählt wurden (wie Leon Draisaitl) und unter die Kategorie Supertalente fallen. Patrick Kane ist die größte Attraktion, die diesjährige Nummer drei der NHL-Scorerwertung. Er spielt wie Dominik Kahun in Chicago.

Draisaitl, Kahun, Verteidiger Korbinian Holzer – Söderholm wird drei Akteure aufbieten können, die 2018/19 in der NHL gespielt haben. Es können noch weitere dazukommen. Nach dem Playoff-Aus der New York Islanders ist Stürmer Tom Kühnhackl frei. Näheres wollte DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel am Montagabend telefonisch klären: „Er hat noch Termine mit den Islanders.“ Abgesagt hat (offiziell wegen Verletzung) Thomas Greiss, der Islanders-Torhüter, der wegen rechtspopulistischer Äußerungen aber eh nicht gern gesehen ist. Noch offen ist, ob Philipp Grubauer, der andere deutsche NHL-Keeper (Colorado), verfügbar sein wird.

Es kommen also noch Nominierungsfragen auf Toni Söderholm zu. Bisher hat er – ohne Kühnhackl und Grubauer – schon zwei Feldspieler mehr im Kader, als er zur WM wird melden dürfen.

Aber so ist es immer vor dem jährlich stattfindenden WM-Turnier, dass eine Mannschaft sich verändert in der Vorbereitung, die für manche, die mit ihren Vereinen nicht Playoffs spielten, schon dreieinhalb Wochen andauert. Der Stimmung müssen die anstehenden Einschnitte nicht schaden. Am Sonntag waren die Spieler beim Kartfahren in Mannheim. „Teambuilding-Maßnahme“, so Sportdirektor Schaidnagel.

Elf Teams gingen auf die Rennstrecke, es gewannen die Oberbayern Patrick Hager, Leo Pföderl und Korbinian Holzer, die sich „Team BOB“ nannten. Bayerische Oberland-Bahn – Hager, wohnhaft nahe Rosenheim, pendelt mit dem Zug immer zur Arbeit nach München.

Bundestrainer Söderholm schlägt den Bogen vom Renntag Sonntag zum Testtag Dienstag. „Die USA sind frisch angekommen. Wir erwarten ein hohes Tempo.“

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