Starnberg – Die Polarluft, die von einem Tag auf den anderen den Frühling aus Oberbayern vertrieb, hatte Maximilian Weiß ausgezehrt. Der Steuermann des Deutschen Touring Yacht-Clubs wollte nur noch nach Hause unter die heiße Dusche – und dann ab in die Koje. Frösteln ließen ihn nicht nur die eisigen Temperaturen am Starnberger See, sondern vor allem die eigenen Leistungen. Unbeirrbar hielten die Tutzinger Kurs auf die Abstiegsränge. Während sich viele Segler zum Bundesligastart im Yacht-Club bei der Party „Rock the Bay“ vergnügten, knipste der 30-Jährige bereits um 21 Uhr das Licht aus.
Auch Veit Hemmeter wollte nur noch ins Bett. Der erste Regattatag drohte für den Skipper aus dem Bayerischen Yacht-Club völlig aus dem Ruder zu laufen. Seine Crew dümpelte auf dem zwölften Platz, was gemessen an den eigenen Ambitionen (Saisonziel: Platz eins bis sechs) so schockierend für ihn war wie Frost für die Apfelblüte. Nur Manuel Wunderle entfiel in der Nacht zum Sonntag in einen saften Schlummer. Sein Bundesliga-Debüt entwickelte sich für den Skipper des MYC zu einem Traum, der nicht enden wollte. Die mit Abstand jüngste Mannschaft unter den 18 Erstligisten zeigte keinen Respekt vor den Besten der Branche und fuhr bei ihrem Heimspiel unter dem Applaus der Clubmitglieder einen respektablen 8. Platz ein. „Der Verein ist wahnsinnig stolz auf die Kinder“, brachte Teammanager Micki Liebl die Größenverhältnisse auf den Punkt.
Während der Sonntag für Hemmeter mit einem ersten Platz begann, ging der Albtraum für Weiß weiter. Der Tutzinger kam einfach nicht aus dem trüben Fahrwasser heraus und schrieb ein deprimierendes Ergebnis nach dem anderen. „Ich war froh, als alles vorbei war“, sagte der Steuermann, als er endlich der Folterbank entkam. Mit dem 17. Gesamtplatz zum Start der siebten Bundesliga-Saison hatte der Champions-League-Sieger unfreiwillig Club-Geschichte geschrieben. Nie zuvor war ein Team des Touring so auf Grund gelaufen wie seines.
Während der zweimalige deutsche Meister mit den Zähnen knirschte, fielen sich nach dem finalen 48. Rennen die Segler des Bayerischen Yacht-Clubs in die Arme. Wie im Schlaf war Hemmeter in den letzten vier Läufen an der Konkurrenz vorbeigezogen. Dreimal Rang eins und einmal Platz zwei katapultierten die Crew nach vorne. „Wir wollten aufs Treppchen“, freute sich der Skipper, dass sein ehrgeiziger Plan aufgegangen war und er mit Rang drei noch das Optimum aus einem vertrackten Wochenende herausholte, das Ilja Wolf zurecht als „Achterbahnfahrt“ bezeichnete.
Der Teammanager des BYC zitterte gewaltig bei den drei sechsten Plätzen, die sich seine Mannschaft ohne Not einhandelte. Hemmeter sprach von „taktisch suboptimalen Entscheidungen“, die ihm statt drei weiterer Laufsiege satte 13 Punkte Zuschlag bescherten. Mit einem solchen Ballast an Bord war es nicht möglich, dem Verein Seglerhaus am Wannsee Paroli zu bieten. Nach 16 Läufen distanzierten die Berliner den zweitplatzierten Chiemsee Yacht-Club und die Bayern um zermürbende zehn beziehungsweise zwölf Punkte.
Der deutliche Abstand geriet jedoch beim Blick auf die nächsten Aufgaben schnell zur Nebensache. „Der dritte Platz ist eine hervorragende Ausgangsposition, wo alles möglich ist“, stellte Wolf klar, dass sein Club die Chance gewahrt hat, an den kommenden fünf Spieltagen weiterhin auf Titelkurs zu steuern. Starnberg war für die Ambitionen des Vereins die Probe aufs Exempel. „Wenn man am Boden liegt und zusammenhält, merkt man, ob das Team funktioniert oder nicht“, bemerkte Hemmeter.
Nicht nur er, sondern auch seine Crew hatte auf die erste große Party des Jahres generös verzichtet, wohl wissend, dass in diesem Jahr für sie nur eines entscheidend ist: Nach dem letzten Spieltag richtig feiern zu können.