Kehrtwende beim FCK

Nein zum externen Retter

von Redaktion

ULI KELLNER

Ein Traditionsverein stürzt ab, verpasst Jahr für Jahr das Ziel Wiederaufstieg, büßt sportliche Substanz ein und häuft in gleichem Maße Schulden an, auch wegen eines überdimensionierten Stadions. Der Austausch des Führungspersonals alle paar Monate bringt natürlich auch keine Besserung, weswegen irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem das Gruselszenario Insolvenz konkret wird . . . So in etwa hat es sich vor acht Jahren beim TSV 1860 zugetragen. Und jetzt beim 1. FC Kaiserslautern. In der Nacht zum Montag endeten allerdings die Parallelen, denn quasi in letzter Minute kamen doch noch Retter um die Ecke – in Gestalt regionaler Investoren.

Bei den Löwen hatte sich 2011 die angestrebte Bankenlösung zerschlagen, und wie das so ist, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht: Man sucht sich die Hand nicht aus, die einen rauszieht. Hasan Ismaik hieß der letzte Strohhalm, den 1860 ergriff, doch bekanntlich war das nicht das Ende des Schreckens, sondern der Anfang quälender Machtkämpfe, entwürdigender Abhängigkeit und verstörender Schlagzeilen. Womöglich hatten die FCK-Bosse auch das im Sinn, als sie kurz vor Mitternacht das Angebot eines luxemburgischen Geschäftsmannes ausschlugen, der sich gleich mal mit einer formvollendeten Erpressung eingefügt hatte: Geldfluss nur gegen ein Personalopfer. Autokratisches Gehabe, das auch den Fans des KFC Uerdingen bekannt vorkommen dürfte, einem weiteren abschreckenden Beispiel aus der Ecke tief gefallener Traditionsvereine, die sich einem zweifelhaften Retter an den Hals geworfen haben.

In Krefeld hat der Russe Ponomarew zuletzt in übelster Gutsherrenmanier Munition gegen schädliche Fremdeinflüsse geliefert: Seine teure und seelenlose Söldnertruppe ist nur knapp dem Abstieg entronnen, soeben wurde der vierte Trainer in dieser Saison verpflichtet, über soziale Medien Stimmung gemacht (gegen Trainer Nummer zwei, Norbert Meier), und offenbar wurden auch ein paar Rechnungen nicht bezahlt. All das dürfte leidgeprüfte 1860-Fans wissend schmunzeln lassen.

Das Muster ist hier wie dort dasselbe: Wer in der Not seine Seele verkauft, holt sich Ärger ins Haus, gegen den eine geordnete Insolvenz wie ein Kinderferienprogramm wirkt. Die letzten Tage waren gewiss nicht leicht für den FCK und den KFC – für die Verfechter der 50+1-Regelung war es dafür eine gute Woche. Glückwunsch dem 1. FC Kaiserslautern, dass er der Verlockung widerstanden hat und somit eine gewisse Eigenständigkeit wahrt.

uli.kellner@ovb.net

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