Offensiv erfrischend, aber . . .

von Redaktion

EISHOCKEY Nationalteam verliert letzten WM-Test gegen die Startruppe der USA 2:5

VON GÜNTER KLEIN

Mannheim – Die Multifunktionsarena am Mannheimer Maimarkt hat die vergangene Woche gut überstanden, in der sie ja einiges erlebte: Das Meisterschaftsspiel der Adler und zwei Tage später eine Titelparty, zu der die Mannschaft nach der Triumphfahrt durch die Stadt noch einmal ihre Spielstätte aufsuchte. Altfans erzählen, eine solche impulsive Stimmung wie am Ende dieser Saison hätten sie allenfalls mal im guten alten Friedrichspark erlebt.

Gestern Abend ging es in der Arena gesittet zu, die Lautstärke blieb trotz Ausverkauft-Zuschauerzahl (13 000) verhalten. Das Grundgeräusch war ein staunendes Raunen über die Klasse, die unten auf dem Eis geboten wurde (vor allem vom prominenten Gegner). Und für die eigene Mannschaft, nun nicht mehr die Mannheimer, sondern die deutsche Nationalmannschaft, gab es anerkennenden Applaus. Mit einer 2:5 (2:1, 0:1, 0:3)-Niederlage gegen die USA beendete sie ihre Vorbereitung auf die WM, heute fliegt sie in die Slowakei, ab Samstag spielt sie in Kosice.

Der Eindruck, der sich festsetzte: Toni Söderholm, der neue Bundestrainer, hat eine Truppe zusammengestellt, die in der Offensive zu vielem fähig ist, in der Defensive allerdings auf die tätige Mithilfe ihrer Torhüter angewiesen sein wird. Vielleicht ist das der Preis der Jugendlichkeit und des hohen Tempos, dass sich auch Unachtsamkeiten einschleichen.

Die USA zählen traditionell zu den höher bewerteten Teams bei der WM, ihr Kader erhebt sie dieses Jahr sogar in den Rang der drei Topfavoriten (Russland, Schweden, USA). Elf Erstrunden-Draftpicks sind dabei, Patrick Kane, drittbester Scorer der NHL-Saison, kann jede Abwehr der Welt ausspielen. Und bemerkenswert ist auch dieser flitzeflinke kleine Mann mit dem Gitter vor dem Gesicht: Jack Hughes, 17, aktueller nächster Gretzky, wie man die verheißungsvollsten Talente in Anlehnung an den Allzeit-Größten nennt. Hughes, Stürmer, bestreitet binnen weniger Monate seine dritte WM: U 20, U 18, jetzt noch die Erwachsenen-WM. Ein Höhepunkt, wie er gestern das 4:2 vorbereitete.

Leon Draisaitl wird bereits seine fünfte A-WM bestreiten, inzwischen ist der Deutsche wirklich ein Weltstar, wie er auch im Länderspiel gegen die USA bewies. Er führte die Reihe mit den Mannheimern Matthias Plachta und Markus Eisenschmid an. Passte, weil auch Draisaitl, heutiger Edmonton-Star, in Mannheim im Nachwuchs spielte.

Zweimal ging das deutsche Team in Führung (durch Eisenschmid, 11., und den nun für Chicago spielenden Ex-Münchner Dominik Kahun, 16.), doch die Klasse der Amerikaner im Abschluss war beeindruckend, obwohl die DEB-Torhüter Niederberger und Treutle, die sich die Partie teilten, einiges wegfingen. Das 2:3 (De Brincat) war aus deutscher Sicht dann ein Eigentor von NHL-Verteidiger Korbinian Holzer, und das 2:5 (Gaudreau) ein Empty-Net-Goal.

Niemand in der Halle war den Deutschen böse. Einziger Missklang: Auszeichnung für den Münchner Patrick Hager als bester deutscher Spieler. Mannheim protestierte.

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