Manchester – Mit Tränen in den Augen verfolgte Vincent Kompany das Freudentänzchen von Pep Guardiola und schloss seinen Coach dann in die Arme. Hoch emotional feierte der frühere Hamburger sein Traumtor zum 1:0 über Leicester City, mit dem er den Mini-Vorsprung von Manchester City auf Jürgen Klopps FC Liverpool vor dem Titel-Showdown rettete. „Ich habe gehört, wie alle gerufen haben: „Schieß nicht, schieß nicht““, sagte der unerwartete Matchwinner über seinen Schuss in den rechten Winkel 20 Minuten vor Schluss. „Aber ich bin nicht so weit in meiner Karriere gekommen, um mir von jungen Spielern sagen zu lassen, wann ich zu schießen habe.“
Bei der Gratulation nach dem Schlusspfiff konnte sich auch Leroy Sané ein Feixen nicht verkneifen. Verzweifelt war das Ensemble mit dem Guardiola-typischen feinem Kombinationsfußball immer wieder an der Verteidigung des Meisters von 2016 gescheitert – bis es Kompany mit Gewalt versuchte. Dank des Verteidigers, der erstmals in seiner elfjährigen Premier-League-Karriere von außerhalb des Strafraums traf, reicht den Citizens im Titelkampf mit Liverpool nun ein Sieg bei Brighton and Hove zum Triumph. Als „Captain Marvel“ („Guardian“) und „Captain Fantastic“ („Daily Telegraph“) durfte sich Kompany am Dienstagmorgen in den englischen Zeitungen feiern lassen.
„Er ist ein unglaublicher Mensch und hilft mir sehr viel“, lobte Guardiola seinen 33 Jahre alten Kapitän, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft. Der Ex-Bayern-Coach, der auf der Bank ebenfalls „Schieß nicht, Vinnie“ dachte, vermied aber eine konkrete Aussage zu dessen Zukunft. Diese Saison hatte Guardiola nicht immer Verwendung für den Belgier, der bislang auf 16 Ligaeinsätze kam und mehrfach verletzt war. Als Kompany mit seinen Kindern auf dem Rasen spielte, war ihm die Rührung deutlich anzusehen. „Die letzten Jahre habe ich jedes Spiel so gespielt, als ob es mein letztes ist“, erklärte er die Emotionen. dpa