Alarm in der Frauen-Bundesliga

von Redaktion

Von CHRISTIAN STÜWE

München – Der Rahmen war glamourös. Rote, mit Samt bespannte Sofas, Barkeeper, die Häppchen reichten und die Meisterschale der Frauen-Bundesliga in der Ecke eines Raumes. In einer schicken Lounge am Sendlinger Tor kamen am Mittwochvormittag Vertreter des DFB, der Vereine der Frauen-Bundesliga, sowie aktive und ehemalige Spielerinnen zusammen, Die Lounge gehört dem Unternehmen „Flyeralarm“, was natürlich kein Zufall war. Die Online-Druckerei, eine der größten Europas, wird in der neuen Saison Namenssponsor der Frauen-Bundesliga.

Der Alltag in der künftigen „Flyeralarm Frauen-Bundesliga“ ist allerdings häufig weniger glamourös. Trotz attraktivem Offensivfußball gelang es den Fußballerinnen des FC Bayern München in der aktuellen Saison gerade einmal, durchschnittlich 667 Zuschauer ins Stadion zu locken. Der Branchenführer VfL Wolfsburg bringt es auf einen Schnitt von 1684 Besucher. Währenddessen wurden in England, Spanien und Italien in den letzten Monaten Zuschauerrekorde gebrochen, Stolze 60739 Fans schauten sich im März das Ligaspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona an.

Die Bundesliga droht den Anschluss zu verlieren. „Wir haben eine sehr inhomogene Liga“, so Rainer Koch, Präsident des Bayrischen Fußball-Verbands. Es gibt Vereine wie die Bayern oder Wolfsburg, die aufgrund der Männer-Mannschaften andere Möglichkeiten haben, als ein dörflicher Verein wie der SC Sand oder reine Frauenfußballklubs wie der 1. FFC Frankfurt oder Turbine Potsdam.

Aus Marketinggründen wäre der Einstieg von weiteren Großklubs in den Frauenfußball wünschenswert, anderseits gilt es aber auch, die Vielfalt zu bewahren. Denn die Breite ist ebenfalls wichtig. Es gebe „einen eklatanten Rückgang“ bei jungen Mädchen, die mit dem Fußballspielen anfangen, erklärte Koch.

Die Hoffnungen auf einen Aufschwung ruhen auf der Nationalmannschaft, die im Juni bei der Weltmeisterschaft in Frankreich antritt und auf der Frauen-Bundesliga, der die Zusammenarbeit mit „Flyeralarm“ zu mehr Attraktivität verhelfen soll. Ein neues Logo wurde Mittwoch präsentiert, das Unternehmen wird sich in der Nachwuchsförderung engagieren. Firmen-Gründer Thorsten Fischer denkt auch darüber nach, eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift zur Bundesliga zu drucken. Um für ein wenig mehr Glamour im Liga-Alltag zu sorgen.

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