München – Aufstiegstrainer in Unterhaching, König von Giesing beim TSV 1860 – kaum jemand ist im Münchner Fußball beliebter und bewanderter als Karsten Wettberg. Bis heute verfolgt der 77-Jährige jedes Heimspiel der Löwen im Stadion – um danach mehr oder weniger desillusioniert zurück in seine Hallertauer Heimat Elsendorf zu fahren. Die Zuspitzung der Krisen bei den beiden Münchner Drittligisten treibt auch Wettberg die Falten auf die hohe Stirn. Die der Sorge und die des Zorns, wie er im Interview erklärt.
Herr Wettberg, wo werden Sie den brisanten 37. Spieltag dieser Drittliga-Saison verfolgen?
Ich werde im Grünwalder Stadion sein und sowohl Sechzig gegen Fortuna Köln die Daumen drücken als auch meinem Freund Manni Schwabl mit seinen Hachingern gegen Lotte. Irgendwie hab ich bei beiden ein gutes Gefühl, dass sie drinbleiben in der Liga.
Ah, dann fangen wir mal mit Haching an. Schwabl sprach zuletzt vom „Matchball“, den es zu nutzen gelte.
So schaut’s aus, bei 42 Punkten lässt sich nichts anderes mehr sagen. In Haching konntest du dieses Jahr zuschauen, wie die Mannschaft Spiel für Spiel ihr Selbstvertrauen verloren hat – das war teilweise schon tragisch, wie viele Chancen sie sich erarbeitet haben und die Gegner teilweise aus dem Nichts ihre Tore gemacht haben. Und dann auch noch die Verletzungsseuche …
Was macht Ihnen Hoffnung bei Haching?
Dass viele Verletzte zurück sind – hoffentlich wird auch Jimmy Müller fit – und dass sich der Verein als Einheit präsentiert. Nur so kannst du’s packen.
Wie soll es dann bei Sechzig klappen?
Sie haben zwei Punkte mehr, wären mit einem Remis so gut wie sicher durch und der Gegner muss gewinnen. Dazu kommt die Unterstützung im Grünwalder, die in dieser Liga ihresgleichen sucht.
Was macht Ihnen Sorgen?
Die Häufung der Undiszipliniertheiten. Auch wenn der Platzverweis gegen Weber in Zwickau grenzwertig war, so musst du bei 2:5 nicht mehr einsteigen. Diese Sperre ist überflüssig und deshalb doppelt schmerzhaft.
Lassen Sie die Klubpolitik als Teil-Erklärung der sportlichen Krise gelten?
Förderlich ist es nicht, aber da muss man schon trennen. Was mich aufregt, sind die Pyros. Bei uns fallen die Strafen stärker ins Gewicht als anderswo, trotzdem wird’s gemacht. Diesen Typen spreche ich das Fan-Sein ab.
Ihr Kommentar zur Lage zwischen den Gesellschaftern?
Wenn ich diesen unsinnigen Streit beenden könnte, dann hätte ich’s gestern schon getan. Können wir es uns leisten, auf die Kontakte eines Herrn Stimoniaris und anderer zu verzichten? Falls ja, dann bin ich gespannt auf nächste Saison… obwohl… da muss man nicht groß gespannt sein. Ohne echte Verstärkungen sind wir in der Dritten Liga Abstiegskandidat Nummer eins.
Interview: Ludwig Krammer