Fortuna erzwingen

von Redaktion

Darauf kommt es morgen für 1860 an: Von den Fans bis zu den anderen Ergebnissen

VON ULI KELLNER

München – Fortuna also. Der Name ist Programm, wenn der Tabellen-19. aus Köln zum vorgezogenen Endspiel um den Klassenerhalt beim TSV 1860 antritt. Die Löwen haben keinen guten Lauf in der entscheidenden Saisonphase, wollen aber morgen ab 13.30 Uhr das Glück wieder erzwingen. Wir beschreiben die sieben F-O-R-T-U-N-A-Faktoren, auf die es ankommt – von F bis A.

F wie Fans

Oft schien es zuletzt, als würden Teile der Anhängerschaft um sich selber kreisen, als stünde das politische Sendungsbewusstsein im Vordergrund – und weniger die Unterstützung der verunsicherten Mannschaft. Pyros und polarisierende Plakate sollen morgen für 90 Minuten in den Hintergrund rücken, ebenso die Positionen im Gesellschafterstreit – das wünscht sich zumindest der Sportchef. „Wir brauchen jeden einzelnen Fan, egal ob links, rechts, vorne oder hinten“, sagt Günther Gorenzel: „Ich hoffe, dass alle wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen werden.“

O wie Offensivpower

Bis zum 31. Spieltag gehörte 1860 als Aufsteiger zu den offensivstärksten Mannschaften der 3. Liga (43 Tore, nur vier Teams trafen häufiger) – seitdem sind in fünf Spielen nur zwei Treffer dazugekommen, beide beim 2:5 in Zwickau. So alarmierend dieser Trend ist, so viel Hoffnung schöpfen die Löwen aus der Tatsache, dass der Offensivgeist in Zwickau zumindest phasenweise Früchte getragen hat. „Wir müssen uns einfach wieder trauen, fußballerische Lösungen zu suchen“, sagt Gorenzel: „Dann werden wir mehr Chancen bekommen. Und dann ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir die Spiele auf unsere Seite ziehen.“ Der Schwerpunkt in der zurückliegenden Trainingswoche lag folglich darauf, „Spielfreude“ und „Leichtigkeit“ zurückzugewinnen. Denn: „Im Ballbesitz sind uns sämtliche Mechanismen abhandengekommen.“

R wie Routiniers

Rot-Sperren, naive Fouls, die zu Elfmetern führen – sie stehen sich teilweise auch selber im Weg, die Spieler des Aufsteigers, die ihr erstes Jahr in der 3. Liga erleben. Speziell der Ex-Schweinfurter Herbert Paul, 25, hat manches Lehrgeld gezahlt, zuletzt aber auch zuverlässige Stützen wie Marco Hiller, 22, und Felix Weber, 24. „Wenn ich minus drei hinten bin, muss ich einen Zweikampf in der letzten Minute anderes bestreiten – vor allem, wenn ich schon gelbverwarnt bin“, sagte Gorenzel zum Platzverweis des Kapitäns in Zwickau. Aber auch Weber spielt seine erste Saison 3. Liga. Morgen, weiß der Sportchef, wird es eher auf die Routiniers ankommen – auf Recken wie Jan Mauersberger, 33, und Sascha Mölders, 34. „Erfahrung ist immer wichtig in so einer Situation“, sagt der 47 Jahre alte Österreicher.

T wie Teamgeist

Seit sechs Spielen sieglos in der Liga, zuletzt auch noch hochkant aus dem Totopokal geflogen (gegen Regionalliga-Aufsteiger Aschaffenburg) – in Phasen wie diesen zeigt sich, wie es um den Zusammenhalt in einer Mannschaft bestellt ist. Was das angeht, macht sich Daniel Wein aber keine Sorgen. Der Teamgeist sei „super“, versicherte der Sechser nach dem 2:5 in Zwickau: „Es ist echt eine intakte Mannschaft. Jeder ist für den anderen da, auch außerhalb des Platzes. Wir sind wirklich eine Einheit. Also daran liegt es überhaupt nicht.“

U wie Unbeugsamkeit

Mit ihrer Schiri-Schelte haben die Löwen geschickt von der sportlichen Krise abgelenkt – und womöglich für erhöhte Sensibilität beim DFB und seiner Pfeifenzunft gesorgt. „Wir müssen eine Jetzt-erst-recht-Mentalität an den Tag legen“, sagt Bierofka, der von einem und eventuell sogar zwei Endspielen spricht (am 18. Mai geht es noch nach Jena). Gorenzel fordert, dass die Mannschaft unbeirrt ihrem Matchplan folgt, auch nach fragwürdigen Entscheidungen: „Wir müssen uns auf das fokussieren, was wir selbst beeinflussen können.“

N wie Null muss stehen

13 Gegentore in den letzten vier Pflichtspielen. Unbestritten ist, dass die Null bei 1860 zu häufig auf der falschen Seite der Ergebnisse auftauchte. Im März hatten es die Löwen recht gut hingekriegt, die viel beschworene Kompaktheit herzustellen (1:0-Siege gegen Wehen, Haching, Meppen) – und genau dahin wollen sie morgen wieder kommen. „Zuletzt sind wir im Block zu weit auseinander gestanden, haben zu mannorientiert gespielt“, kritisiert Gorenzel: „Das haben wir in der Vergangenheit viel besser gemacht.“ Auch die individuellen Aussetzer gelte es abzustellen, denn bei einer Häufung wie in Zwickau sei es nun mal „relativ schwierig, Spiele zu gewinnen“.

A wie andere Resultate

„Das Gute ist, dass wir es in der eigenen Hand haben“, sagt Bierofka, der Optimist. Der Pessimist in ihm weiß jedoch: Gewinnen seine Löwen wieder nicht, müssen sie schauen, was sich auf den anderen Plätzen tut. Es gibt Konstellationen, in denen bereits ein Punkt zum Klassenerhalt reichen könnte. Selbst bei einer knappen Niederlage ist eine 99-%-Rettung möglich, wenn Lotte (in Haching) und Jena (in Meppen) maximal unentschieden spielen. Das Torverhältnis spricht für 1860; zudem duellieren sich am letzten Spieltag diverse Konkurrenten. Einen Nervenkrimi in Jena will Bierofka unter allen Umständen vermeiden – das geht am besten mit einem Heimsieg morgen.

Artikel 1 von 11