Frankfurt/Main – Nach dem noch nie dagewesenen Sturmlauf vier englischer Klubs in die Finals von Champions und Europa League berauscht man sich auf der Insel am eigenen Erfolg. Geht es nach Niko Kovac, ist die Formel für die britische Dominanz im europäischen Geschäft dabei simpel. „Money makes the world go round“, hatte der Trainer des FC Bayern am Donnerstag quasi stilecht auf englisch konstatiert. Geld regiert die Welt.
Kovacs Kernthese – geäußert wohlgemerkt noch bevor nach dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur in der Königsklasse der FC Chelsea und der FC Arsenal am Donnerstagabend erstmals überhaupt auch das zweite Europacup-Endspiel zur Angelegenheit eines einzigen Landes machten – ist jedoch unbestritten. „Wir müssen ganz klar sagen, dass die beste Liga in England ist“, stellte er fest: „Dort spielen die besten Spieler.“ Die Stars des Weltfußballs zieht es seit einigen Jahren auf die Insel – und der Hauptgrund dafür ist wohl tatsächlich in den finanziellen Möglichkeiten der Premier-League-Klubs zu suchen. Keine andere Liga erlöst derart viele Milliarden aus dem TV-Geschäft. Dazu kommt die Offenheit für ausländische Kapitalgeber, wie etwa den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch beim FC Chelsea oder Mansour bin Zayed al-Nahyan aus der Herrscherfamilie Abu Dhabis bei Manchester City.
Dazu kommt allerdings auch, dass die Vereine ihr Geld inzwischen wesentlich zielgerichteter ausgeben. Tottenham beispielsweise tätigte vor der laufenden Saison keinen einzigen Transfer. Nachdem im englischen Fußball vor einigen Jahren trotz üppiger finanzieller Mittel einige Missstände aufgefallen waren, wurde zudem nicht nur die Jugendarbeit reformiert, sondern auch gezielt Fußball-Know-How hinzu geholt. Es ist wohl kaum Zufall, dass alle vier Europapokal-Finalisten über ausländische Trainer verfügen.
Desweiteren belebt im Mutterland des Fußballs die Konkurrenz das Geschäft. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Topligen, wo stets ein, maximal zwei Klubs die Meisterschaft dominieren, ist die Ligaspitze in England breiter, ausgeglichener und spannender. „Das Niveau hier ist wirklich hoch“, meinte Chelseas italienischer Teammanager Maurizio Sarri: „Um das Finale im Ligapokal zu erreichen, mussten wir gegen Liverpool und Tottenham spielen, die Champions-League-Finalisten, und dort gegen Manchester City, das meiner Meinung nach beste Team Europas.“
Doch Liverpool-Teammanager Jürgen Klopp brachte einen weiteren Grund für die englische Erfolgsserie ins Spiel. „Die Leute sagen, das ist das Geld“, meinte er: „Aber wenn du siehst, wie Tottenham oder wir ins Finale gekommen sind: Das hatte nichts mit Geld, sondern mit Hingabe zu tun.“ Echte Leidenschaft ist eben auch im Fußball unbezahlbar. sid