München – Die Spannung hochhalten, darin sind sie Meister beim TSV 1860. Und so war die Dramaturgie dieses Rettungsspiels gegen Fortuna Köln wieder einmal vom Allerfeinsten. Frühe Führung, zwei Blackouts, schließlich das Happy End gegen einen dezimierten Gegner. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte Phillipp Steinhart erleichtert, während die Westkurve feierte, als wären die Löwen zum zweiten Mal in Folge aufgestiegen.
Trainer Daniel Bierofka hingegen reagierte mit Sarkasmus. „Was die allgemeine Situation betrifft, hoffe ich, dass alle in diesem Verein mal aufwachen“, sagte der Coach mit Blick auf den von Präsident Robert Reisinger verordneten Konsolidierungskurs. „Sonst spiele ich nächste Saison mit einem Innenverteidiger. Das ist ein bisschen schwierig, denn dafür gibt es kein System.“
Sätze, die tief blicken ließen. Abgesehen von Kapitän Felix Weber haben die Drittliga-Löwen tatsächlich keinen gelernten Innenverteidiger mehr aufzubieten für die kommende Saison. Leihspieler Simon Lorenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach zum VfL Bochum zurückkehren, Vertragsverlängerungen bei Routinier Jan Mauersberger und Allrounder Aaron Berzel sind unwahrscheinlich. Dazu kam am Samstag die schwere Verletzung von Semi Belkahia, 20, der nach seinem Foul zum Elfmeter mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste. Perspektive? Schwierig. Wie sagte der „König von Giesing“, Karsten Wettberg, vergangene Woche im Interview? „Ohne echte Verstärkungen sind wir in der Dritten Liga Abstiegskandidat Nummer eins.“
Soweit muss es nicht kommen. Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold hatte unlängst öffentlich die Hoffnung (oder den Glauben?) geäußert, dass sich zwischen den Gesellschaftern etwas bewege. Der aktuelle Stand ist der, dass e.V.-Boss Reisinger frische Genusschein-Darlehen nur gegen Sofortkasse akzeptieren will. Vom kategorischen Nein ist der Präsident abgerückt. Umso brisanter wird die Mitgliederversammlung am 30 Juni im Freimanner Zenith – das letzte Saisonspiel in Jena hat nur noch statistische Bedeutung
Anderthalb Monate Wahlkampf stehen den Löwen also in Haus. Ein angekündigtes Statement der e.V.-Spitze war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht eingetroffen. Offen kommunizierten am Samstag dafür die Westkurven-Ultras: „Gorenzel, Ismaik – wir werden siegen und euch überleben.“
Die Opposition klammert sich an Saki Stimoniaris. Der Sprecher von Investor Hasan Ismaik und Vorsitzende des KGaA-Aufsichtsrates hat sich klar positioniert. „Keiner muss sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Jeder Spieler, mit dem Daniel Bierofka plant und der sich mit unserem Verein identifiziert und loyal verhält, wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle beim TSV 1860 spielen.“ Ob der MAN-Betriebsrat mehr weiß?
Kreuzbandriss bei Talent Belkahia