Leipzig – Für Smartphones hat Uli Hoeneß in der Regel nicht viel übrig, Samstagabend nach dem 0:0 seiner Bayern in Leipzig kommt dem Präsidenten des FC Bayern die Technik aber ziemlich gelegen. Er steigt nochmal aus dem Mannschaftsbus aus, geht auf die Journalisten im Bauch der Leipziger Arena zu und hält ihnen ein iPhone vor die Nase. Auf dem Bildschirm ist die Szene des Spiels zu sehen. Robert Lewandowski steht mit einer Schuhlänge im Abseits, worauf der Videoschiedsrichter das anschließende Tor von Leon Goretzka zurücknimmt. Bayern war für wenige Sekunden Meister, nun entscheidet der letzte Spieltag.
Und Uli Hoeneß kann es nicht verstehen. Er wütet: „Das ist der Witz des Jahres!“ Dabei lässt das Bild auf dem Telefon in Hoeneß’ Händen wenig Raum für Interpretation. Die Entscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe, den Treffer nicht zu geben, ist korrekt. Sie ist knapp oder „hauchzart“, wie Thomas Müller sagt. Aber nicht falsch.
Hoeneß sieht dies anders. Er hält das Smartphone weiter hoch, damit es jeder sehen kann, und schimpft: „Das war keine klare Fehlentscheidung. Der Videobeweis ist dafür da, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Es war gleiche Höhe, Millimeter sind kein Vorteil.“ Dabei ist eindeutig zu sehen, dass es nicht gleiche Höhe war. Und anders als bei Fouls, die gelegentlich der Auffassung des Unparteiischen unterliegen, gibt es bei Abseits keine zwei Meinungen.
Apropos Fouls: Keine drei Wochen ist es her, als Fußball-Deutschland zwei Meinungen hatte. In der Schlussphase des Pokalhalbfinals zwischen Bremen und Bayern fiel Kingsley Coman nach einem Schubser von Theodor Gebre Selassie, Es gab Elfmeter, Lewandowski verwandelte, und die Münchner zogen ins Pokalfinale ein. Die strittige Szene und das Nicht-Eingreifen des VAR wurden heiß diskutiert, hier war sich Hoeneß aber sicher: „Es war ein Elfmeter, den ich zu 100 Prozent in Ordnung fand. Keine Diskussion!“, sagte er – und benötigte dafür nicht einmal ein Smartphone. lop