Ohne große Schnauze

von Redaktion

FC Bayern ist in Leipzig gut, aber noch nicht gut genug für den Titel

VON JOSE CARLOS MENZEL LOPEZ UND ULLI BAUM

Leipzig – Niko Kovac trat gut informiert vor die Mikrofone. Dass der FC Bayern zum letzten Mal am 34. Spieltag vor eigenen Publikum die deutsche Meisterschaft gesichert habe, liege 19 Jahre zurück, berichtete der Münchner Trainer. Er gab aber zu, dieses historische Wissen nicht selbst parat gehabt zu haben. „Das habe ich mir sagen lassen“. Vielleicht von Hasan Salihamidzic. Der Sportdirektor war damals, im Jahr 2000, als Spieler dabei, als die Bayern in einem Herzschlagfinale noch die Schale holten – dank der Schützenhilfe der SpVgg Unterhaching, das die vor dem letzten Spieltag drei Punkte voraus liegenden Leverkusener bezwang und somit vom Thron stürzte.

Dieses Mal hat es der FC Bayern selbst in der Hand, liegt zwei Punkte vor Borussia Dortmund – und ist sicher, dass er es nicht verspielt. „Das machen wir schon nächste Woche“, sagte Salihamidzic nach dem 0:0 bei RB Leipzig, dem ersten vergebenen Matchball.

Für Thomas Müller war das Unentschieden bei jenem Verein, der die Münchner im Pokalfinale Ende Mai noch einmal fordern wird, „eines unserer besseren Spiele“, das „nur leider nicht mit einem Sieg und der Meisterschaft belohnt“ worden sei.

Die Rechnung ist ganz einfach: Die Bayern können den Titel nur noch verspielen, wenn sie am Samstag gegen Eintracht Frankfurt verlieren und Borussia Dortmunder gleichzeitig in Gladbach drei Punkte holen. Bei allen anderen Konstellationen feiern die Münchner Schale Nummer 29 – selbst bei Punktgleichheit nach einem Bayern-Remis und einem BVB-Sieg, schließlich ist das Torverhältnis ders Titelverteidigers aktuell um 17 Treffer besser als das des BVB. „Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“, sagt Kovac. „Ich darf gegen meinen alten Club versuchen, die Meisterschaft zu holen.“

Die Dortmunder sehen psychologisch einen kleinen Vorteil bei sich. „Wir hatten brutalen Druck. Der Druck wandert jetzt weiter Richtung Süden“, sagte Vereinsboss Hans-Joachim Watzke. Sein Club, der BVB könne nur noch gewinnen, fand er am Samstag. Sätze, die Salihamidzic nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Alles können die nicht gewinnen. Sie können nur die Meisterschaft gewinnen, im Pokal sind sie ja schon raus“, sagte er im Aktuellen Sportstudio.

Und auch das BVB- Jubelfoto aus der Kabine nach dem Zittersieg gegen Düsseldorf in den sozialen Medien, missfiel dem Münchner Sportdirektor offenbar: „Am Ende wird abgerechnet. Mal sehen, wer nächste Woche die Fotos aus der Kabine twittert.“

Es scheint so, als ob Dortmund und Bayern dabei sind, die Schmusebeziehung aus den vergangenen Jahren aufzukündigen. „Herr Watzke hat sich schon letzte Woche bei mir nicht beliebt gemacht. Ich bin kein Fan der großen Schnauze vor dem Spiel“, gab Salihamidzic zu. Hintergrund ist, dass Dortmunds Vereinschef kürzlich behauptet hatte, „70 Prozent der Deutschen drücken gefühlt Dortmund die Daumen. Wenn die Meisterfeier auf dem Marienplatz stattfindet, kommen 3000 Leute plus 1500 Touristen, die gucken: Was ist denn da los?“

In einem gab Salihamidzic seinem neuen Lieblingsfeind Watzke allerdings indirekt recht. Wenn der FC Bayern den Titel nicht holt, „war es eine Sch…saison“, gab er zu. Im Erfolgsfalle sei es „eine 2+“. Dortmund würde dagegen für den Gewinn des Meistertitels vermutlich die Note 1 vergeben.

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