Der Meisterkampf

Visionen der Verrücktheit

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Schade, alle Entscheidungen sind gefallen in der Fußball-Bundesliga. Also zumindest die, aus denen man in den vergangenen Jahren am 34. Spieltag noch Spannung bezogen hat. Wen zerbröselt es endgültig? Wer rettet sich in die Relegation, die einem erscheint wie die Verheißung auf ein neues Leben? Gähn, nach 33 Spieltagen unabwendbar geregelt: Nürnberg und Hannover gehen nach unten in die 2. Liga, der VfB ist der neue HSV (Klassenerhalt möglich über Umwege).

Doch halt, irgendwas ist anders dieses Jahr. Es ist etwas geschehen, das uns veranlassen wird, am kommenden Samstag um 15.30 Uhr das Radio aufzudrehen. Es geht noch um was. Oben. Theoretisch. Die Bayern, zwei Punkte voraus, dürfen daheim gegen Frankfurt nicht verlieren, wenn die eine Borussia (Dortmund) bei der anderem (Mönchengladbach) gewinnt. Wann hatte man eine solche Konstellation zuletzt? Fragt eure Ahnen, vielleicht erinnern die sich.

Natürlich spricht die Wahrscheinlichkeit für die siebte FC-Bayern-Meisterschaft in Folge. Doch weil vergangene Woche der Fußball auf europäischer Bühne gezeigt hat, wozu er fähig ist, dürfen wir uns einige Verrücktheits-Visionen gestatten für Samstag, 18. Mai, 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr (Nachspielzeit und Kölner-Keller-Zuschlag!).

Typisch Dortmund wäre ein 3:0 nach zehn Minuten. Es wäre auch typisch Gladbach, so wie es den größten Teil der Rückrunde spielte. Doch kurz vor der Halbzeit das 1:3, kurz danach das 2:3, gefolgt von zwei Dortmunder Platzverweisen. Lucien Favre würde im Verlauf der zweiten 45 Minuten dem Vorgesetzten Aki Watzke mehrmals seinen Rücktritt anbieten. Mario Götze klärt dreimal auf der Linie, in der 88., 89., 90. Minute.

Wie würde es in München laufen? Die Woche über das große Thema „Was plant Kovac mit Robbery?“ bzw. „Was planen Kalle/Uli mit Kovac?“ Zur Dortmunder Führung in Mönchengladbach würde dann ein Münchner Rückstand gegen Frankfurt passen (Jovic), Wütendes Bayern-Anrennen, 88., 89., 90. Minute.

Spätestens dann muss etwas passieren, das typisch Bundesliga 2018/19 ist. Köln ruft Mönchengladbach, Köln ruft München. Schiedsrichter-Hände an Schiedsrichter-Ohren. Übersehene Handspiele, eines im Dortmunder, eines im Frankfurter Strafraum, Vor- und Rückspulen der Szenen in den Review-Zonen – dann die Entscheidungen. . . Egal, wie sie ausfallen: Eskalation garantiert.

Eine hübsche Volte für den 34. Spieltag wäre auch: Bayern UND Dortmund verlieren. Will man es wirklich ausschließen?

Guenter.Klein@ovb.net

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