Brisanz in der Goethe-Residenz

von Redaktion

Treffen der Proficlubs in Offenbach – auch das Reizthema Champions-League-Reform dürfte zur Sprache kommen

Offenbach – Die Bundesliga boomt. Noch immer. Und scheinbar immer weiter. Gerade erst meldete der übertragende TV-Sender Sky mit 2,2 Millionen für den 33. Spieltag eine Rekord-Einschaltquote. Kein Wunder also, dass die Pläne, den Europacup womöglich auch auf Kosten der nationalen Ligen zu reformieren, von den deutschen Vereinen eher kritisch beäugt werden. Bei ihrer Versammlung heute in Offenbach könnten sich die 36 Profiklubs nun gemeinsam positionieren.

Offiziell geht es bei dem Treffen im mondänen Büsing Palais, einst Sommerresidenz von Johann Wolfgang von Goethe, zwar um andere Themen. Auf der Tagesordnung steht etwa der formale Beschluss zur Einführung des Videobeweises in der 2. Liga sowie der Umgang mit dem Polizeikosten-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Am Reizthema Europacup-Reform werden aber weder die Klub-Bosse noch die Spitze der DFL vorbeikommen.

Das Grummeln über die von der UEFA und der Clubvereinigung ECA angestoßene Neuordnung des internationalen Wettbewerbs war schließlich in den vergangenen Tagen deutlich vernehmbar geworden. Noch bevor der Dachverband am Freitag seine 55 Mitglieder in Budapest über den Stand der Dinge informiert, dürften sich deshalb auch die deutschen Vereine darüber austauschen. Der Zündstoff ist schließlich gewaltig.

Dem deutschen Profifußball droht nicht weniger als eine Zerreißprobe, zumindest falls die Branchenführer FC Bayern und Borussia Dortmund einen anderen Kurs einschlagen als der Rest. Und diese Gefahr besteht.

Sollte die Reform ab 2024 in ihrer jüngst durchgesickerten Form kommen, wäre eine Dreiklassengesellschaft perfekt. Und da die Bayern wie der BVB zur sehr gut betuchten ersten Klasse gehören würden, scheint ein Konflikt programmiert.

Da nutzen auch die Beschwichtigungen des Dortmunder Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke („Wir sollten die vielen Gerüchte über eine mögliche Reform nicht durch Aussagen im Vorfeld weiter anheizen“) und des Münchner Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge („Es geht lediglich um eine Reform der bereits bestehenden europäischen Klubwettbewerbe“) nichts.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte berichtet, dass laut des Reformvorschlags künftig in der 1. Liga (Nachfolger der Champions League) 32 Mannschaften in vier Achtergruppen spielen sollen. In 14 statt wie bisher sechs Gruppenspielen würden diese die Teilnehmer an der K.o.-Runde ermitteln. Qualifiziert wären die international erfolgreichsten Vereine in den Spielzeiten von 2020 bis 2024 – und diese elitäre Gesellschaft wäre fast geschlossen.

Denn die 24 besten Teams sollen sich automatisch für die kommende Saison qualifizieren. Nur vier Klubs würden den Einzug über die nationalen Ligen schaffen. Vier weitere würden aus der 2. Liga (Nachfolger der Europa League) aufsteigen, von deren 32 Teams sich wiederum 20 über die Ligen qualifizieren. Erst die 3. Liga könnten dann alle deren 64 Teilnehmer ausschließlich über die nationale Meisterschaften erreichen.

Die European Leagues, der Zusammenschluss von 36 Profiligen des Kontinents, hatten sich in der Vorwoche klar gegen dieses pyramidale System ausgesprochen. Mit Spannung wird nun erwartet, was die DFL heute dazu sagt. Liga-Chef Christian Seifert hatte bereits mehrfach das richtige Augenmaß bei den Reformen angemahnt und beispielsweise eine Ausweitung der Europacup-Termine auf das Wochenende als „rote Linie“ bezeichnet.

Augenmaß braucht die Versammlung auch bei anderen Themen. Schließlich will die DFL gemeinsam mit dem DFB bis zum 26. Juli einen Konsens-Kandidaten für die Wahl eines DFB-Präsidenten oder einer Präsidentin (Ute Groth, s. Text unten) am 27. September nominieren.

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