Einigung in fünf Minuten

von Redaktion

Dejan Radonjic bleibt Basketballtrainer des FC Bayern – vorerst aber nur für ein Jahr

München – Es ist jetzt schon ein bisschen her, ein, zwei Monate vielleicht, so ganz genau erinnert sich Marko Pesic nicht mehr, da haben sich vier Männer getroffen, um die sportliche Zukunft der Basketballabteilung des FC Bayern zu planen. Im Bogenhauser Hof, einem Edelrestaurant im Nordosten Münchens, saßen sie zusammen: Der Geschäftsführer Pesic, der italienische Sportdirektor Daniele Baiesi, der Präsident Uli Hoeneß und Dejan Radonjic, der montenegrinische Trainer. „Wir haben gesprochen, etwas gegessen, uns die Hände gegeben und sind dann wieder gegangen“, sagt Pesic. Und als sie sich verabschiedeten, stand fest, dass Radonjic, 49, mindestens ein weiteres Jahr als Trainer beim FC Bayern arbeiten wird. Waren sich die Männer schnell einig? „Es hat fünf Minuten gedauert“, sagt Pesic, „dann haben wir alle gesagt: Okay, wir machen weiter.“

Am Montagabend hat der FC Bayern in seinem Clubsender verkündet, was die vier Männer schon vor einer Weile beschlossen haben. Der momentan beste deutsche Basketballverein vertraut dem Cheftrainer, der ihn zuletzt durch die anstrengendsten zwölf Monate der Clubgeschichte manövriert hat. Als die Bayern vor gut einem Jahr, kurz vor den Bundesliga-Playoffs, den serbischen Trainer Sasa Djordjevic rauswarfen, sprang Radonjic ein – erstmals in seinem Basketballleben nicht in Serbien oder Montenegro, wo er gespielt und trainiert hatte. Er musste sich an den Verein gewöhnen, an die Spieler, an die englische Sprache – und holte trotzdem die Meisterschaft. Jetzt, in seiner ersten vollständigen Spielzeit, führte er sein Team durch einen Terminkalender, der dem FC Bayern bis heute 66 Pflichtspiele aufgebrummt hat. Mit guten Ergebnissen. In der Euroleague verpassten die Bayern die Playoffs nur knapp, in der Liga haben sie von 34 Spielen nur drei verloren. Nur im BBL-Pokal scheiterten sie früher als erwartet, im Viertelfinale gegen Berlin. Seinen neuen Vertrag hat sich Radonjic also verdient, obwohl die Playoffs erst am Samstag beginnen. Es bleibt jedoch die Frage: Warum gilt er nur für ein Jahr?

„Das hat keine Bedeutung“, sagt Pesic. „Alle waren einverstanden mit einem Jahr, dann haben wir halt ein Jahr gemacht.“ Er erinnerte dann an Wendell Alexis, einen US-Basketballer, der 1996 in die Bundesliga zu Alba Berlin gewechselt war. „Der hat bei Alba sechs Jahre hintereinander alles gewonnen und immer nur um ein Jahr verlängert.“

Vielleicht sollte man in den Kurzvertrag wirklich nicht zu viel hineininterpretieren, den Bayern schadet er aber gewiss nicht. Sie können sich in der kommenden Saison gut überlegen, ob sie Radonjic zutrauen, ein Team zu formen, das sich ab 2021 – wenn die Bayern in die neue Arena umziehen – in den Euroleague-Playoffs festsetzt. Es gibt Ansätze, die ihnen gefallen haben dürften. Radonjic hat eine Defensive installiert, die an guten Tagen die besten Mannschaften Europas aufhalten konnte. Viel hängt aber wohl davon ab, wie er Spieler entwickeln kann. Der Shooting Guard Nihad Djedovic spielt unter ihm so gut wie nie. Von Maodo Lo, dem jungen deutschen Spielmacher, hatten sich manche in seinem ersten Jahr in München aber wohl etwas mehr erhofft. CHRISTOPHER MELTZER

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