Düsseldorf – Direkt, ehrlich, uneitel, konstruktiv: Ute Groth will bei ihrer aufsehenerregenden Kandidatur für die Präsidentschaft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bewusst als totaler Gegenentwurf zum Establishment wirken. „Wir müssen“, sagt Groth bei der Vorstellung ihres Wahlprogramms, „raus aus der Glitzerwelt und wieder rein, was darunter ist.“
Sie wirbt mit durchaus revolutionären Ansätzen eher weniger für sich als vielmehr für die Sache – und Groths Sache ist schlichtweg eine Neuorientierung des Milliarden-Business Fußball in Richtung Basis. Die Vorsitzende von DJK TuSA 06 Düsseldorf fordert „offenere und durchsichtigere Strukturen und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse“. Groth weiter: „Der Fokus muss sich wieder auf die Amateurvereine richten, denn die gute Arbeit unten verschwindet unter dem Klüngel oben, wo man sich die Taschen vollmacht.“
Auch die Außendarstellung würde die 60-jährige Düsseldorferin grundlegend reformieren: „Öffentlichkeitsarbeit ja, aber nicht so wie bisher nur nach oben mit der Nationalmannschaft, Glitzer, teure Klamotten, teure Ausrüstung, teure Trainingslager, sondern nach unten gelenkt. Denn der DFB hat rund 25 000 Vereine, und davon sind nur ganz wenige im Glitzerbereich.“
Folgerichtig tritt Groth für einen Kurswechsel auch in finanzieller Hinsicht ein. „Ist das angemessen?“, hinterfragt die Projektleiterin für Krankenhausbau die kostspieligen DFB-Gepflogenheit in Sachen Verdienstausfall und Aufwandsentschädigungen: „Ehrenamt muss Ehrenamt bleiben, da muss auch der Präsident Vorbild sein.“
Selbst der mächtige Profibereich müsste sich im Fall von Groths Wahl zur ersten Frau an der DFB-Spitze auf Konfrontationen einstellen: „Vielleicht sollte man die Fernsehgelder anders verteilen, und zwar nicht mehr nach Ligazugehörigkeit, sondern so, dass sich kleinere Vereine spielerisch immer wieder angleichen können.“ Durch das bisherige System „wird die Bundesliga durch die immer größeren Unterschiede uninteressant“.
Im Hinblick auf ihre Wahlaussichten meinte Groth: „Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Chance habe, gewählt zu werden. Aber es wird öffentlich über das Amt geredet, und ich habe den Eindruck, dass zumindest mal darüber nachgedacht wird, wie das Amt vergeben wird.“ Zu ihrer Motivation für die Bewerbung sagte sie: „Ich will vor allem ein bisschen provozieren und eine gesunde Diskussion anregen. Wenn meine Bewerbung zu dem Ergebnis führt, dass sich beim Verband etwas ändert, dann bin ich zufrieden.“ Ihr sei wichtig, dass jemand DFB-Präsident werde, „der nicht aus dem Dunstkreis des DFB-Führungspersonals kommt“. Zudem betonte Ute Groth: „Wenn es so weitergeht, wird der Fußball irgendwann uninteressant für den Zuschauer. Es wird zu teuer und man wird überfüttert.“ sid/dpa