Klettern unter der Glaskuppel

von Redaktion

In München, Hauptstadt des Bergsports, findet der 10. Boulder-Weltcup statt

VON CHRISTAN STÜWE

München – Am Samstag und Sonntag steht ein kleines Jubiläum im Olympiastadion an. Zum zehnten Mal findet der vom Deutschen Alpenverein und der Stadt München veranstaltete Boulder-Weltcup unter der Glaskuppel des Stadions statt.

Längst ist die Veranstaltung etabliert, München gilt als die inoffizielle Hauptstadt des Bergsports. Mehr als 50 000 aktive Kletterer gibt es in der Landeshauptstadt, 3000 Zuschauer verfolgten den Weltcup im letzten Jahr. In diesem Jahr wird allerdings einiges anders sein. Zum einen liegt der Termin deutlich früher, statt zum Abschluss der Saison im August findet der Boulder-Weltcup diesmal bereits im Frühjahr statt. Zum anderen geht es erstmals um Qualifikationspunkte für Olympia, denn bei den Spielen in Tokio 2020 wird Sportklettern seine Premiere erleben. Die besten 20 Frauen und 20 Männer werden in Japan um Medaillen kämpfen, in München geht es auch darum, sich für ein finales Qualifikationsturnier in Toulouse Ende des Jahres zu qualifizieren.

Alma Bestvater ist eine der Sportlerinnen, die auf ein Olympia-Ticket hoffen. „Es wird natürlich extrem schwer, sich unter den besten 20 zu platzieren. Aber ich werde versuchen, alles zu geben und fokussiere mich auf das Ziel“, sagte die 23 Jahre alte Thüringerin, die in München lebt und studiert vor ihrem Heimspiel.

Bestvaters Spezialdisziplin ist eigentlich das Bouldern, wo ohne Sicherungsseil bis zu einer Absprunghöhe von etwa vier Metern Routen mit Überhängen und vertrackten Winkeln geklettert werden. Bei den Olympischen Spielen wird allerdings ein neuer Kombinationswettkampf stattfinden, der zusätzlich die Disziplinen Lead (mit Sicherungsseil an zehn bis 20 Metern hohen Kunstwänden) und Speed (Klettern auf Zeit) beinhaltet.

„Es ist eine Kombination aus drei Disziplinen, die rechnerisch verknüpft werden“, erklärte Dr. Wolfgang Wabel, der Mitglied der Geschäftsleitung des DAV und Präsident des Sportkletterverbandes IFSC Europe ist. Während viele Sportler schon zuvor Bouldern und Lead kombinierten, ist Speed für die meisten Kletterer Neuland. Wabel glaubt deshalb, dass die Entscheidung im Speed fallen wird. „Man qualifiziert sich mit zwei starken Disziplinen, aber Olympiasieger wird am Ende der, der am schnellsten ist“, sagte Wabel.

„Mein Training hat sich stark verändert. Es sind zwei fast komplett neue Disziplinen hinzugekommen“, berichtete Alma Bestvater. Nicht alle Sportler sind bereit, diese Umstellung auf drei Disziplinen zu machen. Die Landshuterin Afra Hönig etwa entschied sich gegen die olympische Chance und konzentriert sich weiter voll auf das Bouldern. Für die 23-Jährige wird es am Wochenende im Olympiastadion deshalb um Weltcup-Punkte gehen.

Die Qualifikation beginnt am Samstagmorgen um 8 Uhr, ab Sonntagmittag stehen dann die Halbfinals und Finals der Damen und Herren an. „Es ist eine große Ehre, in München zu starten. Auch weil Freunde und Familie zum Zuschauen kommen, das ist sehr schön“, sagte Hönig. Und vielleicht wird es auch für Hönig in absehbarer Zeit eine Chance auf Olympia geben. Denn Klettern hat gute Chancen, auch in Paris 2024 wieder dabei zu sein. Geplant sind dann zwei unterschiedliche Wettbewerbe, einmal im Speed und eine Kombination aus Bouldern und Lead. Was den spezialisierten Kletterern natürlich entgegenkommen würde.

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