Nur gute Momente

von Redaktion

Rafinha nimmt emotional Abschied – Robben konzentriert sich auf Frankfurt

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Javi Martinez kam mit einem Käseteller, Manuel Neuer hatte sich das Trikot mit der Nummer 13 übergestreift. Insgesamt acht Spieler des FC Bayern tauchten überraschend im Medienraum auf – als Zuschauer und -hörer. Neben Martinez und Neuer zwängten sich auch noch Thomas Müller, David Alaba, Renato Sanches, Franck Ribery, David Alaba und Robert Lewandowski in die ohnehin schon gut gefüllten Stube. Es muss schon etwas ganz Besonderes passieren, dass ein Profi des Rekordmeister freiwillig in die fensterlose Stube kommt. Am Dienstag war dies der letzte Pressetermin von Rafinha beim FC Bayern.

Der Brasilianer wird wie Arjen Robben und Franck Ribery die Münchner nach der Saison verlassen. „Wir sind schon so lange zusammen“, sagte der 33-Jährige mit Blick auf seine Begleiter – „meine Jungs“, wie er sagte. Mit Tränen in den Augen sprach er von „Freundschaften“, die bleiben werden. „Diese Leute waren sehr wichtig für mich“, sagte er und drückte jeden einzelnen der anwesenden Spieler gerührt, ehe Robben kam und für ein kleines Kontrastprogramm sorgte.

Der Niederländer wirkte weit weniger wehmütig, aber er beschäftigte sich auch noch nicht mit dem Abschied, sondern nur mit der Meisterschaftsentscheidung gegen Eintracht Frankfurt. „Für mich zählt nur eines, und das ist der Samstag“, sagte der 35-Jährige, der deshalb auch noch nicht über seine Zukunft entschieden hat. „Ich bin spät dran, aber das hat mit der Verletzung zu tun.“ Er hatte mehr als fünf Monate pausieren müssen. Die Partie gegen Frankfurt habe er „schon dreimal im Kopf durchgespielt“, sagte Robben, der auf einen Einsatz von Anfang an hofft.

Rafinha verschwendet daran keine Gedanken. Er hat sich in den vergangenen acht Jahren anders als Ribery und Robben sportlich nur selten in den Vordergrund gespielt. Seine Rolle war die des Back-ups auf den beiden Außenverteidiger-Positionen. „Natürlich wollte ich spielen“, sagte er, „aber das war nicht einfach bei der Konkurrenz“. Auf rechts zuerst Philipp Lahm und dann Joshua Kimmich, auf links Alaba. Den 33-Jährigen zeichnete aus, dass er seine Rolle fast immer klaglos akzeptierte und solide Leistung ablieferte, wenn er zum Einsatz kam. Auf 266 Pflichtspiele brachte er es im Bayern-Trikot immerhin und ist damit zusammen mit Giovane Elber der Brasilianer mit den meisten Einsätzen für den Rekordmeister. „Ich nehme nur gute Momente mit“, sagte er. „Es war schön.“

Aber vielleicht noch wichtiger war er für Bayern als meist gut gelaunter und von allen wohlgelittener Teamspieler. Rafinha sorgte bei Titelfeiern stets für die – in seinen Ohren – passende Musik in der Kabine und stimmte auf dem Rathausbalkon mit wuchtiger Reibeisenstimme ein Lied an. Außerdem kümmerte er sich um die Integration der spanischen und südamerikanischen Spieler.

2011 war Rafinha zum FC Bayern gekommen, mit etwas Verspätung, denn die Münchner hatten schon ein Jahr zuvor um den Außenverteidiger gebuhlt, damals noch bei Schalke 04 unter Vertrag. Doch der damalige Trainer der Königsblauen, Felix Magath, hatte ihm einen Wechsel zu den Bayern untersagt. Rafinha ging zum FC Genua und von dort nach München. Insgesamt 13 Jahre spielte er in Deutschland, „ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bleibe“.

Die Anfänge in Deutschland waren „sehr schwer, die Sprache, das Klima“, gibt Rafinha zu, der vor jedem Spiel mit seinem Mutter in Brasilien telefoniert. Zweimal war er zu spät aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt, „ich wollte nicht in den Schnee“. Aber das ist lange her, er hat sich akklimatisiert in Deutschland. Vielleicht bleibt er in Europa, vielleicht geht er zurück nach Brasilien. Rafinha hat sich noch nicht entschieden. wie es weitergeht. Das hat er gemeinsam mit Robben.

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