München – „Rotweiße Trikots! Wir wollen rotweiße Trikots!“ Der Gassenhauer von Sammy Kuffour ist im Laufe der Saison zu einer Kampfparole der Fans des FC Bayern geworden. Nach mintgrünen Leiberln und blauen Hosen platzte der Südkurve nämlich der Kragen, sodass Karl-Heinz Rummenigge sich vergangenes Jahr zu einem Versprechen gezwungen sah. „Trikot, Hose und Stutzen werden künftig ausschließlich in den Farben Rot und Weiß gestaltet sein“, sagte der Vorstandsboss zur Heimgarnitur.
Beim Meisterfinale am Samstag gegen Frankfurt ist es wieder soweit: Die Bayern häuten sich und kämpfen in roten Dressen, roten Hosen und roten Stutzen um die Schale. Doch bereits jetzt schimpfen viele Fans: Zu viel rot, zu wenig weiß. Wer entscheidet eigentlich, wie die Trikots der Bayern auszusehen haben.
„Das Design für Trikots und Teamwear geht aus einem gemeinsamen Prozess mit Vereinen und Verbänden hervor, mit denen Adidas zusammenarbeitet“, sagt Oliver Brüggen, PR-Chef bei Adidas: „Konkrete Ideen, aber auch Feedback von Spielern und Verantwortlichen unserer Partner werden dabei von den Designern berücksichtigt – vom Muster über die Farbe bis zum Schnitt.“
Viel wichtiger als das Design dürfte den Herren in der Chefetage aber der Wert des Leiberls sein. Und hier stellt sich die Frage: Verkaufen die Bayern ihre Haut zu billig? Real Madrid hat seinen Ausrüstervertrag mit Adidas unlängst bis 2028 verlängert, wofür der Club in neun Jahren laut „PR Marketing“ über eine Milliarde Euro überwiesen bekommt – etwa 150 Millionen Euro per Jahr. Damit zieht Real mit dem Erzrivalen aus Barcelona gleich, der von Nike ebenfalls rund 150 Millionen bekommt – Summen, von denen die Bayern nur träumen können. Adidas zahlt den Münchnern als Anteilseigner lediglich 65 Millionen für den Ausrüstervertrag, der noch bis 2030 läuft.
Immerhin: In der Bundesliga sind die Bayern der letzte Verein, der für Adidas noch von Interesse ist, alle anderen Clubs laufen in den Klamotten anderer Hersteller auf. International stehen die Bayern jedoch noch eine Stufe unter Real, Barcelona oder Manchester United, wie Marketingexperte Dr. Peter Rohlmann sagt: „Bei der Zahlung von Ausrüstersummen gilt es zu berücksichtigen, inwieweit ein Verein in der Lage ist, für Sportartikelhersteller eine internationale Zielgruppenbühne zu bieten. Dadurch, dass Real Madrid oder auch Manchester United länger und konzentrierter in die internationalen Märkte gegangen sind, haben diese Clubs einen Vorteil selbst gegenüber einem deutschen Top-Club wie Bayern.“ Tief in die Tasche greifen müssen allerdings Fans in Madrid und in München: Wer das Leiberl haben will, zahlt rund 90 Euro. Ohne Flock, versteht sich.
JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ