Provokanter TV-Spot

Der Aufstand der Pferdeschwänze

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Die Sprache des Fußballs ist bekanntlich nicht eben von Zartgefühl und Feinsinnigkeit geprägt. Und so sorgte Oliver Kahn im Zustand tiefer Zerknirschung für bundesweites Aufsehen, als er anno 2003 nach einer Niederlage gegen Schalke die Defizite des FC Bayern mit den Worten kommentierte: „Eier! Wir brauchen Eier!“ Als der TV-Reporter kurz innehielt, herrschte ihn der zornige Torhüter an: „Sie wissen, was das heißt?!“ Nun, der grimmige Olli meinte damit natürlich keine Ostereier, sondern bemühte damit mehr ein jargonhaftes Synonym für Manneskraft.

Derlei verbale Ruppigkeiten sind im Fußball ungefähr so normal wie kompromisslose Tacklings. Nicht von ungefähr genießt Kahns barsches, die Region unter der Gürtellinie streifendes Interview heute noch Kultstatus. Bislang galt die herb-anzügliche Ausdrucksweise aber vor allem als Männersache. Umso erstaunlicher, dass nun die deutschen Fußball-Nationalspielerinnen sozusagen den Spieß umdrehten. In einem Werbespot zur WM warteten sie mit der sehr deftig klingenden Parole auf: „Wir brauchen keine Eier – wir haben Pferdeschwänze!“

Ganz schön frech. Und auch provokant. Nur dass bei diesem ungenierten Wortspiel, das aus dem Wortschatz der Männer-Zotigkeit schöpft, eben auch viel Ironie mitschwingt. Ein Volltreffer. Die DFB-Damen erregten damit schon vor der WM in Frankreich jene Aufmerksamkeit, die ihnen ansonsten höchstens bei großen Turnieren zuteil wird. Seit Jahrzehnten ist ja das seltsame Phänomen zu beobachten, dass die deutschen Fußball-Frauen – sofern sie Weltmeisterinnen oder Olympiasiegerinnen werden – für einige Wochen zwar ganz oben in der Gunst des Publikums stehen. Doch im Ligaalltag wird so gut wie keine Notiz mehr von ihnen genommen.

Aber wer weiß: Vielleicht setzt sich Frauenpower endlich auch im Fußball entscheidend durch. Es mehren sich die entsprechenden Anzeichen. So kandidiert mit Ute Groth erstmals eine Frau für das Amt des DFB-Präsidenten, und bislang hat die Düsseldorferin mit ihrem forschen Offensivgeist reichlich Punkte gesammelt. Damit nicht genug. Dieser Tage formierte sich im Vatikan ein Frauen-Fußballteam – eine historische Premiere. Wir sind schon gespannt auf den ersten Werbespruch. Anbieten würde sich frei nach Kahn: Ostereier! Wir brauchen Ostereier!

Armin.Gibis@ovb.net

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