München – Vor der Kamera ist die deutsche Frauennationalmannschaft schon weltmeisterlich. Am Dienstag gab Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihr Aufgebot für das WM-Turnier in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) bekannt. In der gleichen Pressekonferenz präsentierten der DFB und Sponsor Commerzbank einen Werbespot – und zwar einen mit Knalleffekt.
Rund anderthalb Minuten lang ist das Video. Zwischen Sekunde 38 und 42 fällt folgender Satz: „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze.“ Eine klare und doch gewitzte Aussage in Richtung all jener, die Fußball ausschließlich für einen Männersport halten. Und auch sonst nimmt der Werbespot einige Vorurteile gegenüber den kickenden Frauen aufs Korn und zeigt, wie einfältig diese Vorwürfe doch sind. Beispiel gefällig? Die Sprecherin sagt: „Frauen sind zum Kinderkriegen da.“ Die Bayern-Spielerin Lina Magull nimmt’s mit Humor, stopft sich einen Ball unters Trikot und ahmt den Torjubel der männlichen Kollegen nach, der in den Bundesligastadien zu sehen ist, wenn sich Nachwuchs ankündigt.
Auch Kathrin Hendrich stand bei den Aufnahmen im Sporthotel Klosterpforte in Marienfeld (Nordrhein-Westfalen) vor der Kamera. Die Münchner Abwehrspielerin verrät: „Ich wusste selbst noch nicht, wie der fertige Spot aussieht, sondern habe ihn am Dienstag zum ersten Mal gesehen.“ Anschließend stand ihr Handy kaum still, auf allen Kanälen flatterten Nachrichten herein. Darin ging es mehr um den provokanten Clip als um ihr WM-Ticket. Hendrich: „Bisher fanden es alle sehr lustig, es gab nur positive Reaktionen.“
Mit ausgewählten Teamkolleginnen schlüpfte sie Anfang April rund sechs Stunden in die Schauspielerrolle. Die 27-Jährige schätzt vor allem den „selbstironischen“ Charakter des Kurzfilms. Hendrich meint: „Wir spielen mit den unschönen Kommentaren, die es immer wieder gibt. Ich denke dann: Lasst uns einfach unseren Sport machen – so wie wir wollen.“ Trotz des ernsten Hintergrunds kam der Spaß beim Werbedreh nicht zu kurz. Sie sagt: „Ich habe die Szene mit dem Kaffeeservice gedreht, obwohl ich gar kein Kaffeetrinker bin. Bei mir war Cola in der Tasse.“ Das Kaffeeset gab’s übrigens 1989 als Prämie für den EM-Titel, 2017 hätte es immerhin 37 500 Euro gegeben. Zeiten ändern sich – zum Glück. JONAS AUSTERMANN