München – Gute Freunde kann wirklich niemand trennen? Falsch, der Kampf um die Deutsche Meisterschaft sowie die Qualifikation für die Champions League kann das schon. Wenn der FC Bayern am Samstag (15.30 Uhr) auf Frankfurt trifft, wird die Freundschaft zwischen Niko Kovac und Fredi Bobic zumindest für 90 Minuten ruhen. Ausgerechnet der Eintracht-Sportvorstand könnte mit seinem Club am 34. Bundesliga-Spieltag das Schicksal seines Kumpels in München besiegeln.
Denn: Gewinnt Frankfurt in der Fröttmaninger Arena und versaut dem Rekordmeister den Titel, dürfte Kovac kaum eine Zukunft im Freistaat haben. Wird Bobic vom Seelenstreichler zum Jobkiller? Denn in seiner schwersten sportlichen Stunde bekam der Bayern-Trainer Zuspruch vom Frankfurter Vorstandsmitglied. Nach dem 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf im November telefonierten die zwei, die sich bereits 2003 als aktive Kicker bei Hertha BSC kennenlernten.
In München wurden Zweifel laut an Kovac, die Clubbosse waren nach eigener Aussage einigermaßen ratlos. Bobic riet dem Ex-Eintracht-Coach damals: „Fighte! Geh deinen Weg! Zieh es durch! Egal, wie viele Anfeindungen da kommen und was sie dir erzählen wollen: Du bist ein guter Trainer, du bist eine Persönlichkeit.“
Kovac ergriff damals die richtigen Mittel, stellte seine zuvor oft unverhältnismäßige Rotation fast komplett ein. Die erschreckenden Zahlen damals: Tabellenplatz fünf mit neun Punkten Rückstand auf den souveränen Spitzenreiter Borussia Dortmund. Heute, fast sechs Monate später, sieht Kovac’ Welt – zumindest vergleichsweise – rosig aus. Mit einem Sieg gegen Frankfurt würde er die Bayern zum Meister machen. Bobic wäre wohl einer der ersten Gratulanten, auch wenn die Eintracht einen Sieg selbst dringend braucht, um die Chance auf Königsklassenfußball zu erhalten. Der Sportvorstand sagte mit Blick auf Kovac: „Es ist nicht einfach gewesen, die Mannschaft so zu übernehmen. Niko wird seinen Weg machen, man muss ihm die Zeit geben.“
Die beiden Ex-Profis verbindet eine echte Männerfreundschaft – und die überstand letztlich sogar den Kovac-Wechsel nach München. Der Kroate informierte seinen Vorgesetzten damals nicht persönlich über seine Abschiedsabsichten, sondern stellte die Frankfurter Funktionäre vor vollendete Tatsachen. Bobic nahm ihm dieses Verhalten übel, es taten sich Risse auf im Binnenverhältnis.
All das ist mittlerweile wieder vergessen. Von der Ära Kovac/Bobic blieb am Ende in erster Linie der überraschende DFB-Pokalsieg in Erinnerung. Der leidtragende Club im Mai 2018 war übrigens der FC Bayern. Kaum vorstellbar, dass sich diese Geschichte am Samstag wiederholt.