Blumen und Applaus

von Redaktion

Bayerns Meister-Plan – Gerüchte um Kovac und ein schnelles Dementi

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Was hinterher passiert, weiß noch keiner so genau. Am Samstag nach dem Abpfiff in der Münchner Allianz Arena. Es hängt natürlich davon ab, ob der FC Bayern am Ende die Meisterschale überreicht bekommt. In den letzten sechs Jahren stand der Titelgewinn ja stets schon lange vor dem letzen Bundesliga-Spieltag fest. Die Feierlichkeiten waren da immer gut geplant, inklusive der unvermeidlichen Weißbierduschen – und wirkten entsprechend einstudiert. Dieses Mal können die Bayern beweisen, dass sie auch ausgelassen feiern können. Zum letzten Mal erlebten sie dies im eigenen Stadion vor 19 Jahren. Der Münchner Rathaus-Balkon wurde allerdings erst für den 26. Mai gebucht, das ist der Tag nach dem Pokalfinale in Berlin gegen RB Leipzig.

Was unmittelbar vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr, Sky) passiert, ist klar. Die scheidenden Arjen Robben, Franck Ribery und Rafinha bekommen den obligatorischen Blumenstrauß überreicht, dazu gibt’s ein paar warme Worte und ziemlich sicher riesigen Applaus. Vielleicht schenkt Niko Kovac dem Trio bei dessen letztem Auftritt in der Münchner Arena ein paar Spielminuten geschenkt.

Der Trainer des FC Bayern bekommt keine Blumen von den Verantwortlichen, so viel steht fest – obwohl einen Tag vor dem Frankfurt-Spiel zwei verbandelte Online-Plattformen vermeldet hatten, dass das Aus von Kovac in München beschlossene Sache sei – und dem Coach auch ein Double-Gewinn den Job nicht mehr retten könne. Favorit auf die Nachfolge soll Mark van Bommel sein, der frühere Kapitän. Das Dementi vom Verein kam kurz darauf. „Einen solchen Beschluss gibt es nicht. Diese Meldung ist eine totale Ente“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber „Bild“ und Sky. Es war allerdings das erste Mal seit Wochen, dass sich der Vereinsboss hinter Kovac stellte. Er selbst hatte ja zuletzt dem Trainer eine Jobgarantie verweigert – und damit Spekulationen neu entfacht.

Für die Bayern geht es am Samstag um die siebte deutsche Meisterschaft in Serie, für Kovac um seine erste als Trainer. Aber genau genommen steht für den 47-Jährigen mehr auf dem Spiel. Der Job natürlich, denn bei einem verpassten Titel würden sich auch die letzten Fürsprecher im Verein gegen ihn stellen. Es geht aber auch um seine Gesamtbeurteilung. Als Kovac vor einem Jahr mit Frankfurt das Pokalfinale gegen ausgelaugte Münchner gewann, war er mit Lob überhäuft worden. Sollte er das Mindestziel in München, die Meisterschaft, verpassen, würde darüber diskutiert werden, ob ein Weltclub wie der FC Bayern nicht eine Nummer zu groß für ihn ist.

Kovac hat sicher nicht alles richtig gemacht in seinem ersten Jahr. Der Stachel über das Aus gegen Liverpool in der Champions League nach einem mutlosen Rückspiel sitzt zu Recht tief, aber angesichts der Bedingungen schlug sich der Trainer insgesamt ganz ordentlich. Kovac musste einen Umbruch moderieren, den er aber personell nicht groß mitgestalten durfte. Er hatte die Aufgabe, die Oldies bei Laune zu halten und gleichzeitig die Jungen in die Verantwortung zu nehmen – zumindest auf den Flügeln ist ihm dies gelungen. Dass die Mannschaft nicht bereit war, in allen Partien alles zu geben, mag ein wenig mit der Ansprache zu tun haben, aber vielleicht noch mehr mit den Dauer-Erfolgen der vergangenen Jahre in der Bundesliga. Die Gier fürs Alltagsgeschäft scheint ein wenig verloren-gegangen zu sein. Kovac ist in der schwierigen Gemengelage meist cool geblieben, gab nun aber zu, dass er in diesem Jahr gelernt hat, wie schwer es sei, „Mensch zu bleiben“.

Lassen sich die Münchner die Meisterschale noch entreißen, hätte dies aber nicht nur Folgen für Kovac, sondern vermutlich auch Einfluss auf die Transferpolitik. Präsident Uli Hoeneß verkündete zuletzt, dass der Umbruch, der „auf allerhöchstem Niveau“ eingeleitet worden war, „möglicherweise bereits geschafft“ sei. Diese Aussage würde er wohl schnell revidieren – und die Münchner womöglich noch ein bisschen üppiger shoppen als geplant.

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