Mit Nadelstichen nach Europa

von Redaktion

In München will Eintracht Frankfurt noch einmal spielen wie gegen Chelsea

VON INGO DURSTEWITZ

Frankfurt – Den Worst Case, also diesen vermaledeiten achten Platz, blendet Adi Hütter geflissentlich aus. „Habe ich nicht in meinem Kopf“, sagt der Frankfurter Trainer, der an diesem Samstagnachmittag (15.30 Uhr) mit seinem Team zum großen Finale in München antreten wird. Ein Endspiel am 34. Spieltag, für die Bayern und für die Eintracht. Für die einen geht es um den Titel, für die anderen um Europa. „Ich glaube an meine Mannschaft“, sagt Hütter und versucht so überzeugend wie möglich zu klingen. „Und so werde ich sie auch einstellen. Wir wollen mutig nach vorne spielen.“ Gedanken an ein Scheitern lässt er nicht zu. „Wir wollen unser Ziel erreichen.“ Die Qualifikation für den Europapokal.

Um dabei zu sein, müsste die Eintracht beim Meister zumindest einen Punkt holen, auch eine Teilnahme an der Champions League ist noch möglich, genauso wie Platz sieben, der eine Ochsentour mit drei Qualifikationsrunden bis zur Europa League bedeuten würde. Oder eben: Rang acht – nichts, null, nada. Das würde sich nach dieser „tollen Saison“ (Hütter) irgendwie falsch anfühlen, wäre aber nicht zu ändern.

Die Eintracht hatte genügend Chancen, den Sack zuzumachen, die letzten drei Heimspiele gegen nicht eben furchteinflößende Kontrahenten aus Augsburg, Berlin und Mainz verpatzte sie, holte nur einen Punkt. „Das hat mich sehr geärgert, da waren wir sauer“, sagt Hütter.

So haben sich die Frankfurter in die verzwickte Lage gebracht, ausgerechnet bei den bayerischen Goliaths etwas holen oder eben auf Patzer der Konkurrenz aus Wolfsburg und Hoffenheim hoffen zu müssen. „Es geht um sehr, sehr viel“, sagt Hütter, dem die Anspannung anzumerken war. Ein Abrutschen aus den Europapokalplätzen hinaus würde diese grandiose Spielzeit zu einer ganz guten schrumpfen lassen. Das würde an einem gleichermaßen ehrgeizigen wie reflektierten Hütter nagen.

Mit der Taktik der gezielten Nadelstiche will die Eintracht den Bayern beikommen, sie wird nicht blindlings nach vorne rennen. Dass etwa alle Topstürmer, Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller, gemeinsam auflaufen, scheint ausgeschlossen (zumal Haller auch noch nicht bei vollen Kräften ist). „Mit drei Spitzen“, sagt Hütter, „das wäre sehr, sehr mutig.“

Die Eintracht-Profis werden in ihrem 50. und letzten Pflichtspiel noch einmal alles aus den geplagten Körpern herausholen müssen, sie werden die letzte Saisonpartie wie ein Endspiel angehen müssen, wie ein K.o.-Spiel in der Europa League. Für einzelne Höhepunkte konnte sich das Team immer noch einmal aufraffen, zuletzt hatte es dem großen FC Chelsea im Europa-League-Halbfinale einen heroischen Kampf geliefert. Hütter gibt sich keinen Illusionen hin. Eine ähnlich herausragend gute Performance wird sein Ensemble auch am Samstagnachmittag liefern müssen. „Wir brauchen eine Leistung wie in London. Wenn wir das nicht schaffen, wird es sehr schwer.“

Artikel 1 von 11