München – Seit Langem gibt es wieder einmal ein Fernduell in der Bundesliga um den Titel am letzten Spieltag. Erstmals seit 2009 wird der deutsche Meister erst am letzten Spieltag gekürt. Diesmal kämpfen Bayern und Dortmund im Fernduell um den Titel – geht es nach Hans-Joachim Watzke, steht Sieger Nummer eins aber bereits vor Anpfiff fest: die Bundesliga. „Erst waren die Bayern vorne, anschließend wir und dann ging es hin und her. Insofern ist der ganz große Gewinner dieser Saison die Bundesliga“, sagte der Chef von Borussia Dortmund im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich war dieser Tage viel unterwegs und immer wieder sprechen die Leute einen darauf an. Sie finden es cool, dass wir mal wieder dieses Szenario haben – und genau das ist das Entscheidende!“
Jetzt, da die Borussia erstmals seit 2012 wieder Chancen auf die Schale hat, will man natürlich nichts unversucht lassen. „Die Wahrscheinlichkeitsrechnung beherrsche ich schon. Ich weiß allerdings auch, dass ein letzter Spieltag – gerade dann, wenn eine Entscheidung fällt – häufig eine Dramaturgie aufweist, die nicht nur vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten folgt“, sagte Watzke. Im Klartext: „Ich sehe, dass wir noch eine Chance haben.“
Und die will die Truppe von Trainer Lucien Favre nutzen. Die Ausgangslage ist klar: Nur bei einer Bayern-Pleite gegen die Frankfurter und einem Sieg des BVB in Gladbach wandert der Titel nach Dortmund. „Wir empfinden es als großes Privileg, am 34. Spieltag noch um die Meisterschaft mitspielen zu können“, erklärt Watzke.“
Was der 59-Jährige keinesfalls will: Einen Rückfall in die alten Zeiten, als in regelmäßigen Abständen Giftpfeile von Süd nach West und wieder zurückflogen. Seine Aussage über die trübe Stimmung bei einer eventuellen Meisterfeier am Marienplatz wollte Watzke daher nicht missverstanden wissen: „Das war nicht als Angriff gemeint, ganz im Gegenteil: Jeder kennt meine Wertschätzung für den FC Bayern“, erklärte der BVB-Chef.
Geht es nach Watzke, sind die Zeiten der verbalen Kriegsführung für immer vorbei. Das zeige auch die aktuelle Saison, wie der Dortmunder Boss vor dem letzten Spieltag unterstreicht. „Ich bin der Meinung, dass die Rivalität während der Saison von beiden Mannschaften hervorragend gehandhabt worden ist. Es gab keine Beleidigungen, keinen Satz, der den jeweils anderen diskreditiert hätte“, so Watzke, der
den Rivalen aber natürlich weiterhin ärgern will: „Wir werden immer wieder versuchen, mit unseren Möglichkeiten nah an Platz 1 heranzukommen. Mal gelingt uns das besser, mal schlechter.
JOSE CARLOS MENZEL LOPEZ