München – Es hat Laura Dahlmeier noch nie sonderlich ins Licht der Öffentlichkeit gedrängt. Und so gesehen ist es durchaus passend, dass sie sich auch am Freitag lieber in den Bergen aufhielt. Denn die Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen hätte sich vermutlich vor Interviewanfragen kaum retten können. Informationsbedarf gab es einigen. Schließlich hatte Laura Dahlmeier auf Facebook am frühen Nachmittag folgende Erklärung gepostet: „Liebe Fans, Freunde, Partner und Wegbegleiter – es ist Zeit, Servus zu sagen!“ Die Begründung: „Nach einer unfassbar harten Saison voller Höhen und Tiefen verspüre ich nicht mehr die hundertprozentige Leidenschaft, die für den Profisport erforderlich ist. Aus diesem Grund habe ich nach längerem Überlegen entschieden, meine aktive Biathlon-Karriere zu beenden.“
Laura Dahlmeier hat also dem Leistungssport den Rücken gekehrt. Und das schon mit 25 Jahren. Es war ein nicht ganz unerwartetes, aber doch ein abruptes Ende. Die Entscheidung fiel offenbar im Frühjahr, als sie wieder einmal auf einer Tour in den geliebten Bergen unterwegs war. Diesmal führte sie ihr Hobby in den Iran. Die Zeit zum Nachdenken erbrachte die Selbsterkenntnis: „Heute bin ich an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, was genau ich mir für ein Ziel vornehmen sollte, geschweige denn, ob es mir überhaupt wieder gelingen könnte.“ Sie habe gemerkt, dass jetzt „der richtige Zeitpunkt für mich gekommen ist“, schrieb Dahlmeier auf Facebook.
Zwei olympische Goldmedaillen, sieben WM-Titel und einmal den Gesamtweltcup hat Dahlmeier in ihrer so glorreichen Karriere gewonnen. Nun bekannte sie, es fehlten ihr sportliche Ziele, „die einem alles bedeuten und für die man alles in die Waagschale werfen würde“. Auch schien die Sportlerin gemerkt zu haben, dass ihr Körper immer weniger bereit ist, die Strapazen des Hochleistungssports zu ertragen. In der zurückliegenden Saison musste sie eine gesundheitliche Krise nach der anderen verkraften. Nur mit der ihr eigenen Willenskraft schaffte sie es, sich bis zur WM im März noch einmal heranzukämpfen und ihre zwei letzten Medaillen (2 x Bronze) zu erringen. „Auch heute noch habe ich nicht wieder die gleich Power wie in den Jahren zuvor“, schrieb sie.
Auch ihrem Trainer Bernhard Kröll war nicht entgangen, dass seine Musterschülerin von starken Zweifeln heimgesucht wurde: „Laura hatte das Gefühl, sich nicht mehr zu hundert Prozent motivieren zu können.“ Ihr Entschluss kam dann nicht mehr sonderlich überraschend. „Sie ist schon immer ein Mensch gewesen, der gesagt hat: Entweder mache ich es gescheit oder gar nicht.“ Laura Dahlmeier wird also ab sofort nicht mehr Biathletin sein. Über ihre nahen Ziele ist noch nichts bekannt. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), erklärte noch am Freitag: „Mit ihrem vorbildlichen und sympathischen Auftreten hat sich Laura für immer einen Platz in den Herzen der Sportfans erobert.“