München – Als alles vorbei war, konnte man sich nicht so ganz sicher sein, wer denn eigentlich wirklich der Gewinner dieses Playoff-Auftakts gewesen ist. Braunschweigs NBA-Star und Klubgesellschafter Dennis Schröder stürmte ohne Seitenblick in die Katakomben des Audi Dome. Auf Seiten der Basketballer des FC Bayern sah es freilich nicht viel besser aus. Merklich verschnupft schlappte Spieler für Spieler in die Nacht davon.
70:59 (32:19) hatte der Titelverteidiger das erste Viertelfinale gegen die Löwen Braunschweig gewonnen. Doch das Erfolgserlebnis vor 5472 Zuschauern hatte für die Bayern neben der 1:0-Führung in der Serie nach dem Modus „best of 5“ vor allem ein Gutes. Man hat eine ganze Menge Steigerungspotenzial. Fand auch Spielmacher Maodo Lo: „Es gibt noch viel Luft nach oben.“
Klar, ein basketballerischer Leckerbissen war kaum zu erwarten. Irgendwann soll das so sein, dafür will Oklahoma-Profi Schröder mit seinen Finanzen und seinen Kontakten sorgen. Entsprechend demonstrativ fieberte er am Samstagabend dann auch mit seinem Herzensclub mit. Doch sein Trainer Frank Menz sieht die Realitäten im Moment (noch) ganz anders. „Vom Talent sind wir in allen Belangen unterlegen“, sagte der frühere Bundestrainer, „aber wir können dafür sorgen, dass Mannschaften wie der FC Bayern keinen Spaß gegen uns haben.“
Das Kuriose ist: Am Ende hätten die Braunschweiger, die mit Shaquille Hines (20 Punkte) den Topscorer des Abends stellten, sogar noch gute Gründe gehabt, verpassten Chancen nachzutrauern. Zumindest hätten die Niedersachsen mit etwas weniger Respekt und einer besseren Trefferquote in Halbzeit eins (25 Prozent) gegen eine allerdings auch ganz respektable Bayern-Defensive, das Geschehen noch weitaus enger gestalten können. Vielleicht klappt es damit ja im zweiten Duell, das wegen der zuvor nicht verfügbaren Braunschweiger Arena erst am kommenden Freitag (20.30 Uhr) ausgetragen wird. Menz allerdings klingt nicht unbedingt nach überbordendem Optimismus: „Wir werden alles reinhauen und schauen, dass wir nicht zu hoch verlieren.“
Den Bayern wird es vorerst egal sein. Wie sehr der Titelverteidiger den Blick nach vorne gerichtet hat, lässt sich auch daran ermessen, dass Trainer Dejan Radonjic seine Profis seit Wochen mit der Intensität einer Saisonvorbereitung trainieren lässt. Training statt Spiel ist nicht hoch geschätzt, wie Nihad Djedovic im Vorfeld der Partie erklärte („Uns liegt mehr, wenn wir alle zwei, drei Tage spielen“). Aber man will halt fit sein, wenn im Halbfinale oder in einer möglichen Endspielserie die größeren Aufgaben warten.
Schwere Beine gegen Braunschweig sind einkalkuliert. Zum Auftakt war das vor allem in der Offensive spürbar. Es holperte noch kräftig, schon zur Pause hatten die Bayern zwölf leichte Ballverluste in der Statistik stehen. Die wenigen Highlights hatten meist mit Derrick Williams zu tun. Der frühere NBA-Profi testete einige Male die Standfestigkeit der Korbanlage und war mit zwölf Punkten letztlich auch der treffsicherste Bayer. Nicht zuletzt Lo war das Wie am Ende schnell nicht mehr wichtig. „In den Playoffs zählt, dass du gewinnst“, sagte er. Basketball kann manchmal ziemlich einfach sein.