Bundesliga-Finale

Die fade Liga feiert

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Die Saison kann ja gar nicht so schlecht gewesen sein, wenn am letzten Spieltag überall in Fußball-Deutschland gejubelt, getanzt, vor Rührung geweint wird. Große Gefühle waren da unterwegs. Nicht nur in München (wo man ja im Ruf steht, ansonsten eher routiniert mit Titelgewinnen umzugehen). Die 34. Runde glich tatsächlich einer großen Party. Ob nun in Freiburg, Düsseldorf, Mainz oder Wolfsburg. Sogar die Fans der Nürnberger Absteiger offenbarten gute Laune. Als Event wird die Bundesliga also immer noch intensiv wahrgenommen. Wofür nicht zuletzt der Zuschauerschnitt von 43 441 spricht – auch dieses Jahr der weltweite Spitzenwert. Dabei ist es für den deutschen Vereinsfußball, vor allem im internationalen Vergleich, ein mageres Jahr gewesen.

Immerhin war in der Liga für gewissen Unterhaltungswert gesorgt. Was vor allem daran lag, dass sich der FC Bayern im Herbst einen für seine Verhältnisse extremen Durchhänger geleistet hatte. Am Ende präsentierten sich die Münchner aber so, dass sich zweifelsfrei feststellen lässt: Die Bayern und ihr leidensfähiger Trainer Niko Kovac sind verdienter Meister. Schließlich gelang es ihnen aus der Position viel gescholtener Schwäche heraus, das Titelrennen zu drehen. Und dann regelten es die Bayern auch noch im direkten Duell, im Showdown mit Dortmund. Das 5:0 war das Glanzstück dieser Saison – und eine klare Bestätigung der Machtverhältnisse.

Den Dortmundern ist dafür zu danken, dass es nie langweilig wurde. Zudem warteten sie lange Zeit mit wunderbarem Offensivspiel auf und mit Jadon Sancho (19), dem wohl größten Fußballtalent der Liga. Es gab auch noch andere Sieger: Leverkusen, das dank Trainer Peter Bosz noch in die Champions League stürmte; der VfL Wolfsburg, der sich unter Bruno Labbadia vom Abstiegskandidaten der letzten Jahre in einen Europa-League-Teilnehmer verwandelte; Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, der mit Hilfe von Kult-Coach Friedhelm Funkel nie erwartete Wehrhaftigkeit entwickelte. In der Rolle der Verlierer und Versager: Schalke, Stuttgart, Hannover.

Grundsätzlich aber kommt man auch an dem Befund nicht vorbei: Irgendwie ist alles beim Alten geblieben. Der FC Bayern seit sieben Jahren vorneweg, konkurrenzfähig zeigt sich nur Dortmund. Der Rest spielt sozusagen in seiner eigenen Liga. Eher fade Verhältnisse also. Auch wenn am Schluss überall gefeiert wurde.

Armin.Gibis@ovb.net

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