München – Auch das letzte Interview des Abends bewältigte Arjen Robben noch mit einem Lächeln. Der Niederländer war auserkoren für eine Schalte ins Aktuelle Sportstudio. Und er wiederholte, was er an diesem Samstagabend so oder so ähnlich schon ein paarmal erzählt hatte. „Es war ein besonderer Tag, ein emotionaler Tag“, sagte Robben. „So was muss man feiern.“ Kurz darauf verließ er die Meisterparty des FC Bayern auf dem Nockherberg – als einer der ersten aus der Mannschaft.
Ein paar Stunden zuvor auf dem Platz hatte er gezeigt, dass er noch immer schafft, was er sich vornimmt. Er bewegte sich geschickt auf der linken Seite vorwärts. Plötzlich spurtete er los Richtung Eckfahne, ließ sich das Weißbierglas reichen, schlug einen Haken, und dann war klar, was der Niederländer plante. Trainer Niko Kovac gab gerade ein Interview, sein erstes als Meistertrainer, auf dem Rasen, als sich Robben in unlauterer Absicht von hinten näherte und das tat, woran die Spieler des FC Bayern nach Titelgewinnen am meisten Spaß haben – den Trainer nass zu machen mit klebrigem Gerstensaft.
Es war der letzte Treffer von Robben in der Bundesliga für den FC Bayern, allerdings wird der in den offiziellen Statistiken nicht geführt, weshalb er sich nach zehn Jahren in München doch nicht mit der erhofften 100-Tore-Marke verabschieden kann. „Aber die 99“, sagt er, „ist vielleicht auch eine schöne Zahl“. Vor allem weil er diese zuvor beim 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt erreicht hatte. Dass auch Franck Ribery in seinem letzten Bundesligaspiel für den Rekordmeister traf, komplettierte diesen ohnehin schon emotionalen Abschied von der Allianz Arena bei der 29. Deutschen Meisterschaft der Münchner. „Es war ein Happy End“, sagte Robben.
Eines mit Tränen. Franck Ribery schluchzte vor der Fankurve, als er zum Mikrofon griff und sich bedankte. Seine Worte waren nur schwer verständlich. Später auf dem Nockherberg weinte er dann noch einmal, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Die Verbindung zwischen Franck Ribery und Bayern München wird nie enden.“ Der kleine Franzose verbarg das verheulte Gesicht am Hals des größeren Rummenigge.
Arjen Robben weinte nicht, zumindest nicht öffentlich, er dachte vielmehr schon an das Pokalfinale in Berlin am Samstag, den endgültigen Abschied aus München. Uli Hoeneß waren dagegen schon während des Spiels oben auf der Tribüne beim 4:1 des Franzosen die Tränen gekommen. „Übermannt“ habe es ihn in diesem Moment, gab der Präsident zu, der ein ganz besonderes Verhältnis zu Ribery hat. Wenn man als Regisseur diesen Abschied hätte so gestalten sollen, sagte Kovac, „würde man es wahrscheinlich nicht hinbekommen“.
Er hatte an diesem Nachmittag ein ganz besonders glückliches Händchen. Alle drei Einwechselspieler – neben Robben und Ribery war dies Renato Sanches – erzielten ein Tor. Rafinha, der wie Robben und Ribery den Verein verlässt, kam nicht zum Einsatz. Geweint hat er aber auch. Vor dem Spiel, danach und bei der Feier. Robben hatte Mitgefühl. „Es tut richtig weh, dass er nicht reingekommen ist. Er ist ein richtig guter Junge für die Mannschaft“, sagte er – und war froh, dass der Abschied aus München für ihn so einen schönes Ende parat hatte.