KOMMENTAR

Seit 15 Jahren weißblaue Ernüchterung

von Redaktion

VON LUDWIG KRAMMER

„Wir kommen wieder!“ hatten die Löwen am Tag danach an die Schaufenster des Fanshops plakatiert. Von einem Betriebsunfall war die Rede an diesem 23. Mai 2004, als der TSV 1860 nach zehn Jahren Bundesliga in der Zweitklassigkeit aufwachte. Aber ja mei. Pünktlich zur Eröffnung der prächtigen Arena werde man bestimmt zurück sein in der Beletage des deutschen Fußballs. Zweifel? A geh! Jetzt erstmal: Grüünwalder Stadion! Grüün…

15 Jahre sind seitdem vergangen. Auf Wildmoser’sche Gerissenheit und Großmannssucht folgten uferlose Naivität und Fehleinschätzungen, die die Löwen bald die Arena-Anteile und ein paar Jahre später auch die Aufstiegsperspektive kosteten. 2011 war die Eigenständigkeit dran. Auf Initiative des FC Bayern, dem der Mieter über den Jordan zu gehen drohte, kam von eben dort ein Investor mit viel Geld und kaum Ahnung von deutschen Regularien. Ein Mann, unter dem den Sechzigern nicht nur der historische Doppelabstieg gelang, sondern – Ironie der Geschichte – auch die Machtübertragung auf die einstigen Wildmoser-Gegner, die ihr Glück kaum fassen konnten.

Inzwischen ist auch in diesem Lager reichlich Ernüchterung eingekehrt. Schon in diesem Jahr brauchte es viel Bier, um die Spiele genießen zu können. Besser wird’s in der neuen Saison kaum werden. Bleiben aktuell nur zwei Möglichkeiten: Hirn einschalten oder auf Erlösung hoffen. Hat auch vor 15 Jahren blendend funktioniert.

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