Wenn der FC Bayern feiert, geht es oft nicht nur um die Spieler, die mittendrin sind im Trubel, sondern auch um die, die es eben nicht sind. Nicht nur in der Niederlage auch im Erfolgsfalls zeigt sich, wer ein guter Teamplayer ist. Corentin Tolisso, der wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Saison fehlte, verfolgte die Rasenparty am Samstag vom Spielfeldrand aus. Verständlich, dass er fand, er habe nicht viel beigetragen zum Gelingen der Saison und deshalb für sich nicht das Recht in Anspruch nehmen wollte, die Schale über den Platz zu schleppen oder sich gar an den Weißbierduschen zu beteiligen.
Jerome Boateng hätte sich sehr wohl als wichtiges Mitglied des Meisterkaders sehen können. Er bestritt 20 Bundesligaspiele und damit mehr als die Hälfte aller Saisonpartien, dazu kommen sechs Begegnungen in der Champions League und drei im DFB-Pokal – der Weltmeister von 2014, da wird keiner widersprechen, hat mitgeholfen, den siebten Titel in Serie zu gewinnen. Er sah dies offenbar anders. Boateng zeigte am Samstag demonstrativ sein Desinteresse, mit den langjährigen Kollegen einen Erfolg zu feiern, an den in der Winterpause nicht mehr viele geglaubt hatten,
Klar, er hat das Duell mit Mats Hummels um den Stammplatz in der Innenverteidigung neben Niklas Süle verloren. Er mag noch mehr als im vergangenen Sommer bedauert haben, dass der Wechsel zu Paris St. Germain nicht geklappt hatte. Womöglich weiß er längst, dass der FC Bayern mit ihm, dem Weltmeister und reich dekoriertem Abwehrspieler, nicht mehr plant in der kommenden Saison. Aber ist dies alles ein Grund, sich so von den Kollegen zu separieren, wie es Boateng am Samstag getan hat?
Die Hochzeit des besten Freundes lässt man nicht einfach sausen, Meisterfeier hin oder her. Aber wäre ihm beides wichtig gewesen, hätte Boateng zumindest kurz vorbeigeschaut am Nockherberg. Er hat deutlich und in aller Öffentlichkeit gezeigt, dass er mit dem FC Bayern abgeschlossen hat. Er hätte einen schönen Abschied verdient, aber anders als bei Rafinha, Robben und Ribery ist es ja nicht offiziell, dass er den deutschen Rekordmeister im Sommer verlässt. Und mit seinem Verhalten am Samstag hat er dem Verein keinen Anlass gegeben, sich darüber Gedanken zu machen. Oder gar ein schlechtes Gewissen zu haben.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net