München – Seine Finger zitterten noch, als Jan Hojer sich unter dem Dach des Olympiastadions verbeugte. Er war gerade ein letztes Mal an diesem Wochenende die glatte Wand in München hinaufgeklettert – erst mit zwei kräftigen Armzügen, dann mit zwei explosiven Sprüngen, hoch zum letzten Griff, vier Meter über dem Boden, der später reichte, um Dritter zu werden beim Boulder-Weltcup. Dort, ganz oben an der Wand, krallte er sich fest, drehte sich um, grinste, ballte die Faust – und 4000 Zuschauer jubelten ihm zu.
Als er sich dann, zurück am Boden, verbeugte, wollte Hojer seinen Respekt zeigen für die Kletterfans, die ihn in den vergangenen zwei Tagen mal wieder besonders angefeuert hatten. Und die Fans klatschten, weil sie sich noch einmal bedanken wollten bei Hojer, dem besten deutschen Boulderer, der ein Hauptgrund ist, warum sie den Boulder-Weltcup in München seit nun bereits zehn Jahren immer wieder besuchen. Im Olympiastadion hat er, wie am Sonntag, eigentlich immer abgeliefert, egal, wie schwer die Routen waren, Hojer hat stets einen Weg gefunden, sie zu erklettern. Er ist dort im Jahr 2014 WM-Dritter und im Jahr 2017 Europameister geworden. Als er sich am Sonntagabend verbeugte, hat der Kölner Hojer, 26, sich also irgendwie auch von dem Publikum im Olympiastadion verabschiedet. Denn an diesem Ort werden sie in Zukunft nicht mehr zusammenkommen.
Es steht jetzt nämlich fest, dass der Boulder-Weltcup im nächsten Jahr in die Olympia-Eishalle umziehen wird. Am Sonntagmittag hatte ein DAV-Trainer etwas überraschend in einer Presserunde davon berichtet. Am Sonntagnachmittag behauptete ein DAV-Sprecher, dass das mit dem Umzug noch gar nicht so sicher sei. Am Montagmittag bestätigte dann der Olympiapark aber, dass es 2020 sicher so kommen wird.
Es sind veranstaltungstechnische Gründe, die der Olympiapark nun anführt. Im Stadion, so teilte es ein Sprecher gestern mit, sei die Organisation schon immer recht kompliziert gewesen. Unter dem Dach habe man Wassersprenger anbringen müssen, weil die Kletterwand – zumindest theoretisch – ja in Flammen hätte aufgehen können. Dazu kommen die begrenzten Sitzplätze. Und vom Wetter war man auch stets ein wenig abhängig. In der Olympia-Eishalle fallen derlei Probleme weg. Es gibt dort 1500 feste Sitzplätze, auch die Stehtribünen könnten unter Umständen in Sitzgelegenheiten verwandelt werden.
Der Umzug in die Olympia-Eishalle hilft den Organisatoren gewiss, aber hilft er auch dem Ansehen des Weltcups? Die Kletterer liebten die Atmosphäre, der Bundestrainer Urs Stöcker sagte an diesem Wochenende: „Eine Quali hier ist vergleichbar mit der Finalstimmung in China oder in Moskau.“ Das gefiel natürlich auch dem Weltverband, der München sogar oft einen Termin im August gestattete – weit außerhalb seines eigentlichen Wettkampfkalenders. Durch den olympischen Quali-Wettbewerb rutschte München dieses Jahr aber in den Mai – und dürfte dort mit seinem neuen Standort auch in Zukunft dort bleiben.