München – Die Eisernen in der Bundesliga? Endlich mal wieder ein „richtiger“ Ost-Verein nach R(etorten) Ball Leipzig? Nur ein einziges Tor fehlte Union Berlin beim 2:2 in Bochum zum direkten und erstmaligen Aufstieg nach ganz oben. Und so müssen die Köpenicker trotz der punktereichsten Zweitligasaison ihrer Klubgeschichte nun also weiterzittern und weiterhoffen, dass es gegen den hohen Favoriten VfB Stuttgart in der Relegation klappt.
„Klar ist jeder niedergeschlagen. Aber wir werden die Jungs bis Donnerstag wieder aufrichten“, versprach Trainer Urs Fischer noch in Bochum. Und Kapitän Christopher Trimmel gab schon mal eine Lektion in Sachen Optimismus: „Auch wenn jetzt alle am Boden sind, spürt man in der Mannschaft die Power und das Selbstvertrauen, um gegen Stuttgart zwei gute Spiele abzuliefern. Vor der Saison hätten wir die Relegation sofort unterschrieben.“
Was für Union spricht? Sie haben das Rückspiel am Montag zu Hause in der Alten Försterei, der Anfield Road des Ostens, wo der Heimvorteil mehr ist als nur ein Wort. Von 17 Spielen in dieser Zweitliga-Saison ging nur ein einziges verloren (gegen Paderborn), die Stuttgarter wiederum schafften nur einen Auswärtssieg in der Bundesliga (beim 1. FC Nürnberg). Legendär: Vor Jahren halfen die Fans der Eisernen mit, „ihr“ Stadion auf 22 000 Platze auszubauen, die nächste Stufe (auf 37 000) ist längst geplant. „Die Fans stehen komplett hinter uns. Ich kann versprechen, dass wir wieder alles geben“, sagt Kapitän Christopher Trimmel: „Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Relegation.“
Rein sportlich betrachtet ruhen die Hoffnungen in erster Linie auf Mittelstürmer Sebastian Andersson. Der Schwede, zu Saisonbeginn vom 1. FC Kaiserslautern gekommen, war mit zwölf Treffern bester Schütze der Saison, dahinter folgt Sebastian Polter (9), der zuletzt allerdings eher mit seiner öffentlich ausgetragenen Scheidung für Schlagzeilen sorgte. Bei aller Treffsicherheit – das Prunkstück der Berliner ist die Defensive. Nur 33 Gegentore sind mit Abstand Bestwert in der Liga, der in dieser Kategorie zweitplatzierte Hamburger SV kassierte satte 42 Stück.
Die Statistik spricht hingegen klar für den VfB Stuttgart. In der 2009 wieder eingeführten Relegation setzte sich in bisher zehn Duellen achtmal der Bundesligist durch. Nur der 1. FC Nürnberg (2009 gegen Energie Cottbus) und Fortuna Düsseldorf (2012 gegen Otto Rehhagels Hertha BSC) schafften den Aufstieg auf dem Umweg.
Bleibt das oft genannte Momentum, das derzeit eher gegen die Berliner zu sprechen scheint. Offensivspieler Joshua Mees will davon nichts wissen: „Für Stuttgart geht es ums Überleben in der ersten Liga, für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben.“ Noch zweimal schlafen bis zum ersten Duell.